Montag, 22. Juni 2015

Fin de l'annee scolair

Hallo ihr Lieben!
Meine Klasse sagt "Bonjour"

Lange gabs hier nichts mehr Neues - tut mir Leid! Um das zu ändern habe ich mir das Ende des Schuljahres als Anlass genommen noch mal von meiner Arbeit und einigen Erlebnissen der letzten Monate zu berichten. Viel Spaß beim Lesen!

Im März begann ich mit meiner angekündigten Nachhilfe-AG, dem Club d'Anglais. Das war ein freiwilliges und kostenloses Angebot an meine Klasse, um ihr Englisch außerhalb des Unterrichts zu verbessern und die Freunde und das Interesse an einer neuen Sprache zu fördern. Und so kamen jeden Montagnachmittag ein fester Kern von 30 bis 40 Schülern in unserem Klassenzimmer eingetrudelt. Eine schöne kleine Gruppe, mit der man gut arbeiten konnte! Wir wiederholten den Unterrichtsstoff, machten viele Übungsaufgaben, übten das Lesen, spielten Lernspiele und natürlich kam das Singen und Tanzen auch nicht zu kurz. Ihr Favorit war "If you happy and you know it, clap your hands". Das Lied wurde aber nicht monoton wie im deutschen Musikunterricht performt, sondern meine Schüler überlegten sich sofort einen Klatschrhythmus und ein paar Bewegungen als Begleitung. 
Für mich war der Club deutlich entspannter als die normalen Unterrichtsstunden und somit auch deutlich spaßiger. Als Lehrerin war es besonders schön zu sehen, dass Schüler, die im normalen Unterricht zu schüchtern sind, im Club gut mitgearbeitet haben und sich nach einiger Zeit sogar getraut haben, im Unterricht zu melden. Quasi die ultimative Bestätigung für meine Arbeit. Ich konnte schon feststellen, dass sich das Vokabular gefestigt, die Aussprache verbessert und das Verständnis für die Grammatik vertieft hatte. Nach zwei Tests im Unterricht, die ich beide selbst konzipiert hatte und auch verhältnismäßig gut ausgefallen sind, setzte ich also große Hoffnungen auf die schulinternen Prüfungen zum Ende des dritten Trimesters Anfang Juni - und wurde leider enttäuscht. Viele Schüler hatten die Aufgabenstellungen nicht verstanden, Gelerntes scheinbar vergessen oder schlicht unkonzentriert gearbeitet. Einen Teil der Verantwortung für die Noten trage auch ich als Englischlehrerin. 
Und das führt mich zu meinen nächsten Punkt: Ich bin eben nun mal keine ausgebildete Lehrerin, sonder nur eine deutsche Abiturientin, deren Englischprüfung das Prädikat "befriedigend" trägt. Ich hatte viel Zeit mich an die Schule und das Unterrichten zu gewöhnen, bis ich eine eigene Klasse bekam, aber trotzdem kann man von mir nicht die gleichen Leistungen wie von einem togolesischen Lehrer erwarten - wie auch? Er hat das ja schließlich studiert und viele Jahre dafür gelernt, ich stelle mich einfach vor die Klasse und schüttel mir was aus dem Ärmel. Denkt jetzt bitte nicht, dass ich Ärger bekommen habe oder so, die einzige, die sich an dieser Situation stört, bin ich! Die Schulleitung, das Kollegium und auch meine Schüler haben mich immer als vollwertige Lehrerin angesehen und mich nie in Frage gestellt, wofür ich allen sehr dankbar bin! Trotzdem finde ich es meine Schülern gegenüber unfair, trotz schlechterer Ausbildung die gleichen Anforderungen an sie zu stellen, wie an ihre Parallelklassen, die von richtigen Lehrern unterrichten werden. Deshalb habe ich wohl auch das eine oder andere mal die Noten vor der Abgabe noch ein bisschen frisiert. An dieser Stelle möchte ich nur drauf hinweisen, dass man Freiwilligendieste auch mal kritisch betrachten muss! Der engagierte Weiße, der für ein Jahr freundlicherweise an einer Schule oder anderen Institution mitarbeitet, ist nicht immer eine riiiesen Unterstützung und innovationsbringend, sondern hält manchmal sogar eher auf. Das Thema hat mich in den letzten Wochen sehr beschäftigt, noch bin ich aber nicht klar genug, um genauer darüber zu debattieren, freue mich aber schon auf Diskussionen in Deutschland!

Nichtsdestotrotz habe ich meine Arbeit geliebt und bin jeden Tag gerne in die Schule gegangen. Die Schüler haben es mir nicht immer leicht gemacht, sie zu mögen, haben es aber trotzdem geschafft! Wir haben zusammen gelernt und gelacht, manchmal war ich stolz, manchmal war ich sauer und manchmal habe ich auch den Unterricht abgebrochen, weil die Stimmung viel zu aufgeladen war, um konzentriert zu arbeiten. An den meisten Tagen konnte ich aber meine Unterrichtsvorbereitung durchziehen und die Klasse mit neuen Dialogen, Vokabeln und Grammatik begeistern. 
Die Arbeit hat mir sogar so viel Spaß bereitet, dass ich mich in Deutschland für ein Lehramtsstudium einschreiben möchte. Denn so oft dachte ich: Wie cool wäre es jetzt, es ihnen auf ihrer Muttersprache erklären zu können? Wie gut wäre es, dafür jetzt einen Overheadprojektor zu verwenden? Wie toll wäre es, alle Namen zu wissen und mündliche Noten machen zu können? Wie viel besser wäre es, nur halb so viele Schüler vor sich zu haben? ...

Der Versuch, ein Klassenfoto zu machen, auf dem ich mit drauf bin!
Gedrängel wie beim Einsteigen in einen deutschen Schulbus, jeder will neben der Lehrerin stehen.
Wer findet mich?

An meinem letzten Unterrichtstag habe ich meine Kamera mitgenommen und viele Fotos gemacht. Wie in jeder Klasse, findet man auch in meiner Klasse die typischen Charaktere einer Schulklasse:

Die Best Frieds weiblich

Die Best Friends männlich

Die Zicken
- trotzdem alle unter den besten 15 Schülern in Englisch.
Ihr Klassenkameraden haben es ihnen übrigens nicht gegönnt ein Foto nur zu fünft zu machen J

Die kleinen Jungs
- versuchen mit dem Niedlichkeitsbonus durchzukommen, haben es aber faustdick hinter den Ohren

Die Streber
- die drei Besten der Klasse von links nach rechts, auch "les majeurs" genannt

Die Poser
- Wie findet ihr eure Englischlehrerin? - Spitzeee!


An dieser Stelle möchte ich auch ein großes Dankeschön an meine Tante Martina und den Kinderhort Brackenheim aussprechen!! Bei einem Flohmarkt wurde bestimmt, dass die Einnahmen aus dem Kuchenverkauf und den Tischgebühren für einen guten Zweck gespendet werden sollen. Dank meiner Tante kam der Erlös dann meinem Projekt zugute. Von einem Teil haben wir neue Englischbücher für die Klassenstufen  4ème  und 3ème gekauft. Das restliche Geld wurde dafür verwendet, kaputte Schulmöbel reparieren zu lassen. Der Schulleiter und das Lehrerkollegium haben sich sehr gefreut, dass jemand im weit entfernten Deutschland an ihre Schule denkt und ich habe mich auch gefreut, mein Projekt dadurch auch finanziell unterstützen zu können.
Vor einigen Wochen habe ich auch meinen zweiten runden Geburtstag gefeiert. An diesem Tag habe ich für meine Gastfamilie Linsen und Spätzle gekocht, was ihnen sehr geschmeckt hat und mir nach 9 Monaten Entzug von schwäbischem Essen natürlich auch. Nachmittags hatte ich Besuch von Freunden und abends waren wir gemeinsam in meinem Lieblingsrestaurant essen. Der Tag war anders wie alle vorherigen Geburtstage, aber trotzdem sehr schön. Da man nur einmal im Leben in Togo 20 wird habe ich gemeinsam mit Hannah, einer anderen Freiwilligen und inzwischen sehr guten Freundin, beschlossen eine große Party mit allen unseren Freunden aus Togo zu feiern. Der Abend war ein voller Erfolg!
Am Pfingstmontag fuhr ich zusammen mit meiner Gastoma, meinem Gestbruder und drei Reisebusse voller Frauen aus der Kirchengemeinde nach Tsevié, einer kleinen Stadt ca 1h nördlich von Lomé. Dort besuchten wir den Gottesdienst und veranstalteten anschließen ein großes Picknick mit Unmengen an Essen und Trinken, Vorführungen, Fußballturnier und viel Singen und Tanzen. Der Tag war so schön und energiegeladen, dass ich es gar nicht richtig in Worte fassen kann.


Dieses Foto ist vom Mont Kloto, dem zweithöchsten Berg Togos geschossen. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man den Mont Agou, den höchsten Berg Togos. In der Talsenke erkennt man die Stadt Kpalimé, welche neben Lomé schon ein zweites Zuhause geworden ist. Entstanden ist das Foto nach einer Geburtstagsparty auf dem Mont Kloto, als wir uns morgens um halb 6 aus den Decken geschält hatten, um den Sonnenaufgang zu sehen. Er war richtig schön und die Landschaft verzaubert mich auch jedes mal aufs Neue.

Das wars jetzt erst mal von mir, morgen werde ich zu einer 4wöchigen Reise durch Togos Nachbarländer Burkina Faso und Benin aufbrechen, danach habe ich noch ca 2 Wochen in Lomé und dann heißt es auch schon Abschied nehmen! Ich will noch gar nicht daran denken und kann mir momentan nicht vorstellen, mein geliebtes Togo in nur 6 Wochen zu verlassen!
Von meiner Reise werde ich wie immer natürlich auch berichten, denn sie fing schon mal gut an. Heute Morgen bin ich an die Station gefahren um mir schon mal ein Ticket zu kaufen. Der Bus dieser Station kommt aber um 22h in Burkinas Hauptstadt an und ich erklärte dem Angestellten dass ich lieber im Hellen ankommen würde und dieser marschierte einfach mit mir los zu einem anderen Busunternehmen, seiner Konkurrenz (!!), dessen Busse Mittags ankommen und half mir sogar noch das Ticket zu kaufen. Diese Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Leute hier finde ich immer wieder beeindruckend, vor allem mit welcher Selbstverständlichkeit sie an den Tag gelegt wird!

Ganz liebe Grüße und bis bald,
eure Verena




Samstag, 18. April 2015

Der Norden Togos


In diesem Blogeintrag möchte ich euch von meiner Reise in den Norden Togos in den Osterferien berichten.

Der Norden ist ganz anders wie der Süden und es war sehr interessant mal eine andere Seite von Togo kennen zu lernen. Im Norden war es viel heißer, die Luft war sehr trocken und staubig und auch die Vegetation ist deutlich spärlicher. Im Norden sind die meisten Togolesen Muslime und generell sind die Menschen dort viel ärmer wie im Süden. Die Städte sind kleiner, es gibt weniger Arbeitsplätze und die Böden sind nicht so fruchtbar wie im Süden, weshalb es auch wenig kommerzielle Landwirtschaft gibt, sondern die Leute meistens nur für ihren Eigenbedarf anbauen. Trotz alledem habe ich sehr viele nette Menschen getroffen und durch diese neue Entdeckung Togo das Land noch ein Stück mehr in mein Herz geschlossen.




Unsere Reise begannen wir in Dapaong, der nördlichsten Stadt Togos. Dort besichtigten wir die Grotten von Nok. Das sind kleine Häuser und Höhlen, eng an den schützenden Fels gebaut. Im 18. und 19. Jahrhundert wohnte das Volk aus der umliegenden Region dort und schützte sich so vor Feinden und Angreifern im Krieg.





Oberhalb der Grotten gibt es ein großes Felsplateau von dem man eine großartige Aussicht über die Savanne hatte. Außer ein paar kleinen Dörfern und vereinzelten Bäumen gibt es dort nichts, Platz genug also für wilde Tiere, welche aber schon vor langer Zeit vertrieben und ausgerottet wurden.






Anschließend stärkten wir uns mit einer großen Portion Fufu, dem togolesischen Nationalgericht. Hierfür werden Yams- oder Maniokwurzeln gekocht und zu einem zähen Brei gestampft, der eine entfernte Ähnlichkeit mit Kartoffelbrei hat. Vom Fufukloß reißt man sich dann immer kleine Stücke ab, tunkt sie in die Soße und ab in den Mund damit. Gegessen wird das ganze natürlich mit der Hand, so schmeckts fast doppelt so gut!











Am nächsten Tag besichtigten wir die Peinture rupestres de Namoudjoga, die Felsmalereien. Diese waren aber eher enttäuschend, denn sie waren ziemlich klein und der Guide konnte uns weder sagen wer die Zeichnungen angebracht hat, noch welche Bedeutung sie haben.



Immerhin hatte man von dort einen tollen Ausblick über die togolesische Savanne!


Am Nachmittag fuhren wir weiter nach Mango, denn dort gibt es einen See in dem eine Herde von Nilpferden wohnt. Wir konnten die Hippos vom Ufer aus beobachten und wurden fast ein bisschen neidisch auf die Dickhäuter. Die haben ein Leben, den ganzen Tag im Wasser planschen, sich die Sonne auf den Rücken scheinen lassen, so viel Fressen wie sie wollen und keinen stört's wenn sie dick sind! Leider sind die Hippos an diesem Nachmittag nicht aus dem Wasser gekommen, und wir konnten sie deshalb nicht in ihrer vollen Größe bewundern. Dafür ist dann relativ nah an uns ein Krokodil vorbei geschwommen.

Am nächsten Tag setzten wir unsere Reise fort nach Kanté, denn dort wollten wir die Tamberma besichtigen. Diese Häuser zählen zum UNESCO Weltkulturerbe und sind einmalig in Togo. Sie wurden von einem Volk gebaut, dass von Burkina Faso in den Norden Togos auswanderte und es gibt ungefähr 36 Dörfer in welchen diese Bauten zu finden sind. Jeder Mann baut nach seiner Hochzeit ein solches Tamberma-Haus und braucht dafür ca. einen Monat. Er benutzt dafür nur Erde, Wasser und seine Hände. Die Häuser sind aber hart wie Beton und teilweise schon 120 Jahre alt. Sie sind immer nach dem gleichen Prinzip gebaut und haben 5 Etagen. Bei einem Angriff kann sich die Familie ins Innere zurück ziehen und sich so vor Angreifern schützten. Die Bauten stammen wohl aus einer Zeit, in der die Ethnien im Norden noch verfeindet waren und Kriege führten, heute haben die Dorfbewohner außer ein paar Touristen nichts zu fürchten. Denn das Tamberma-Haus, welches wir besichtigt haben, ist aktuell noch bewohnt und wir sind quasi einfach durch das Wohnzimmer der Bewohner gelatscht. Auf meine Nachfrage hin versicherte der Guide mir aber, dass er mit allen Besuchern dieses Haus besichtigt und die Familie das nicht stört, ganz im Gegenteil, sie würden sich freuen wenn jemand ihr Zuhause besucht.
Im Anschluss besichtigten wir noch das Maison de  Baobab. Der Baobab ist auch unter dem Name Affenbrotbaum bekannt. Charakteristisch für ihn ist seine Erscheinung, denn er sieht aus wie ein falsch herum in die Erde gesteckter Baum, weil seine Äste erinnern an ein wildes Wurzelwerk. Dieser Baobab war aber besonders, denn er ist innen drin hohl, und zwar nicht durch Verrottung des Baumes, sondern er ist ganz natürlich so gewachsen. In seinem Inneren könnten 10 Erwachsene eng nebeneinander stehen. Doch die Evolution beschloss irgendwann die Baobabs nicht mehr mit Hohlraum wachsen zu lassen und deshalb sind Bäume dieser Art heute etwas ganz Seltenes. Das Volk der Tamberma wohnte übrigens erst in den Baobabs, bevor es begann seine Häuser zu bauen.






Als nächstes besuchten wir das Centre Artisanal de Codhani in Niamtougou. Hier finden körperlich behinderte Menschen eine Arbeitsstelle und stellen Kunstgegenstände her, die in der dazugehörigen Boutique verkauft werden. Darunter findet man Batikstoffe, daraus geschneiderte Kleidungsstücke, Schmuck, Zeichnungen und einiges mehr. Leider waren wir in der Mittagspause da und fuhren nach einem kurzen Einblick in Werkstatt und Laden schon weiter zu unserer nächsten Station Kara.

Kara zählt als zweite Hauptstadt Togos, unter anderem weil der amtierende Präsident von dort kommt und deshalb in Kara einen zweiten Kongresspalast hat erbauen lassen, der in seiner Protzigkeit kaum zu überbieten ist und die einfachen Häuser der Anwohner Karas wie schäbige Hütte erscheinen lässt. Wir beschränkten uns darauf dem Palast einen Blick vom Taxi aus zu zuwerfen und stürzten uns lieber ins Marktgetümmel. Im Norden gibt es ganz andere Pagne wie im Süden und deshalb mussten wir einfach zuschlagen. Shoppen auf togolesisch!



Am folgenden Tag besuchten wir den Park de Sarakawa. Das ist das persönliche Jagdrevier des Präsidenten und auch in dessen Privatbesitz. Trotzdem öffnet der Park seine Türen für Touristen und man kann dort Safari-Touren machen. Das war meine erste Safari und auch ein Highlight der Reise! Wir sahen Zebras...

...Antilopen...


 .... Büffel, Gnus, und noch weitere Antilopenarten, dessen Namen ich auf Deutsch leider nicht weiß.
Der Guide fuhr mit dem Jeep die Wasserlöcher und Herdenplätze ab und so konnten wir innerhalb einer Stunde alle Tiere sehen, die der Park zu bieten hat.







Glückliche Gesichter nach einer gelungen Safari! Franzi war meine Reisebegleitung und ist mittlerweile schon eine sehr gute Freundin für mich geworden, obwohl wir uns gerade mal 7 Monate kennen.


Nach einem leckeren Mittagessen in einem deutschen Restaurant in Kara (für mich gabs Bratkartoffeln mit Champignonsoße) fuhren wir weiter zu unserer letzten Station Sokode. Dort besichtigten wir das Centre National de Tissage - Centais. Dort weben die Frauen Stoffe, aus denen die traditionelle Kleidung im Norden hergestellt wird.







Anschließend besuchten wir noch den Markt von Sokode. Der Markt ist in einem großen Gebäude untergebracht, weshalb es zwischen den Ständen etwas düster war. Aber ist auch praktisch wenn alles so dicht beieinander ist, denn so ist der Einkauf schneller erledigt.







Gewohnt haben wir in Sokode bei einer befreundeten Freiwilligen. Sie arbeitet in einem Waisenheim, in dem Kinder zwischen 2 Monaten und 4 Jahren untergebracht werden. Am letzten Nachmittag unserer Reise besuchten wir sie noch im Projekt und waren erstaunt, wie schön dieses Heim angelegt ist und in welch liebevoller Umgebung die Kleinen aufwachsen dürfen. Wir haben mit den Kindern gespielt und eine Folge Heidi auf französisch angeschaut, da wurde ich fast ein bisschen sentimental...

Am nächsten Tag stiegen Franzi und ich früh morgens in den Bus und waren nach angenehmen 6 Stunden Fahrt wieder zurück in Lomé. Die Busfahrt am Anfang unsere Reise nach Dapaong dauert 12 Stunden! So hatten wir uns innerhalb einer Woche vom hohen Norden Togos bis in die Mitte vorgearbeitet. Da Togo ein relativ kleines Land ist, kann ich nun von mir behaupten, beinahe alles in diesem schönen Land gesehen zu haben!


Die Osterfeiertage waren mit Osterfeuer und Ostermesse ähnlich aufgebaut wie in Deutschland, aber trotzdem ganz anders wie gewohnt, aber deshalb nicht weniger schön! Am 7. April hätte dann eigentlich die Schule wieder losgehen sollen, weil aber am 25. April Präsidentschaftswahlen sind und gerade der Wahlkampf läuft, hat der amtierende Präsident einfach beschlossen, den Schulbeginn auf den 4. Mai zu legen und deshalb habe ich nun einen Monat länger Ferien wie gedacht. Die Tatsache, dass ich diesen Blogeintrag mit 2 Wochen Verspätung schreibe, beweißt ja dass ich mich wohl nicht langweile, sondern die freie Zeit ausnutzte.

Ich habe gehört in Deutschland wird es Frühling? Dann ist die Sonne, die ich aus Togo geschickt habe, wohl endlich mal angekommen! Macht's gut und sonnige Grüße, eure Verena



Donnerstag, 26. März 2015

10 Dinge meines Alltags...

... die inzwischen zur Normalität geworden sind.

Dieser Blogeintrag soll all die kleinen Dinge vorstellen, die für mich schon ganz selbstverständlich und alltäglich geworden sind, so normal dass ich nicht mehr auf die Idee komme, sie in meinen anderen Blogeinträgen zu erwähnen. All diese Dinge waren für mich bei meiner Ankunft im September  auch fremd bis verwunderlich, aber ich habe gelernt, wenn man will, kann man sich an so ziemlich alles gewöhnen!

Einfach Ecke abreißen und Trinken
1.       Sachet d’eau: Ja hier fängt es schon an, wie übersetzt man das ins Deutsche? Wasserbeutel? Wassersäckchen? Aus diesen Dingern trinken wir zumindest jeden Tag unser Wasser hier. Immer mit 0,5 l gefüllt kann man so auch gut mitzählen ob mal seine 3 Liter an Tagesbedarf schon erreicht hat. Man trinkt das abgepackte Sachet-Wasser weil das Leitungs- und Brunnenwasser leider keine Trinkqualität hat, bzw. für meinen deutschen Magen-Darm-Trankt nicht sauber genug ist, manche Einheimische vertragen es aber gut.

2.       Das liebe Geld: In Togo bezahlt man mit dem westafrikanischen CFA. Der Kurs beträgt 656 CFA zu 1€ und schwankt nie, denn der CFA ist an den Euro gekoppelt. Der größte Schein ist ein 10.000er, umgerechnet 16€. Den komme ich jedes Mal am Bankautomaten ausgespuckt, leider kann ich damit fast nirgends bezahlen, denn meistens fehlt es an ausreichendem Wechselgeld. Ein weiteres Problem ist das Kleingeld, davon gibt es einfach zu wenig. Niemand will seins hergeben, weder zum Bezahlen noch zum Rausgeben. Die Münzen sind teilweise schon 40 Jahre alt, bei manchen Scheinen könnte man das auch vermuten, so dreckig und verknittert wie die sind.



Nicht legal, aber solange keine Polizei in der Nähe ist vollkommen
üblich - Lena, Lina und Hannah teilen sich ein Moto
3.       Öffentliche Verkehrsmittel:   „In Deutschland gibt es Züge die unter der Erde fahren?? Mach keine Witze!“ Will man Togo von A nach B kommen, nimmt man sich je nach Länge der Strecke entweder ein Moto-Taxi, Auto-Taxi oder ein Trotro. Die Motos wählt man für kürzere Strecken aus. So kann ich beispielsweise für  300 CFA (ca. 50 Cent) auf den 10 Minuten entfernten Grand Marché fahren. Für etwas längere Fahrten kann man sich auch ein Auto-Taxi nehmen, vor allem wenn man in der Gruppe unterwegs ist, ist das öfters günstiger. Ist man allein unterwegs, kann man sich auch ein Gemeinschaftstaxi nehmen, das man sich mit anderen Leuten teilt und jeder ein und aussteigen kann, wann er möchte. Solche Gemeinschaftstaxis pendeln auch oft auf bestimmten Strecken, also fast wie ein Linienbus. Beim Taxi fahren gilt übrigens immer: zwei auf dem Beifahrersitz, vier auf der Rückbank, Kinder immer auf den Schoß und wenn’s mal hart auf hart kommt muss noch einer in den Kofferraum oder der Fahrersitz wird auch noch geteilt. Vielleicht ist das eine Erklärung für Togos schlechte Unfallstatistik. Für längere Strecken, vor allem zwischen den Städten, nimmt man sich ein Trotro. Das sind Kleinbusse, die an bestimmten Stationen abfahren. Und Abgefahren wird erst, wenn das Trotro bis auf den letzten Sitz besetzt ist. Und hier wird auch gequetscht, vier Personen passen doch gut in die Dreier-Reihe. Auf dem Schoß, im Kofferraum oder auf dem Dach befinden sich dann noch sämtliche Gepäckstücke, diverse Erntewaren, Hühner, Ziegen oder was eben sonst so transportiert werden muss. Nicht selten ist es im Trotro so eng, dass man sich nicht sicher sein kann, ob der Schweißtropfen der einem gerade am Arm entlang rinnt sein eigener ist oder vom Nebensitzer kommt. Nichtsdestotrotz finde ich Trotros eine klasse Erfindung! Sie fahren immer, sie fahren überall hin, sie sind günstig, sie sind gesellig, sie haben keine festen Abfahrtszeiten und man kann deshalb nie den Bus verpassen J

4.       Zeitverständnis: Eile ist hier ein Fremdwort, denn wenn die Leute hier eines reichlich haben, dann ist es Zeit. Man erledigt alles in Ruhe, hat immer Zeit für einen Plausch und das tägliche Reposer (Ausruhen) ist heilig und die optimale Entschuldigung für alles. Durch dieses lockere Zeitverständnis entsteht öfters mal Leerlauf, im deutschen Sprachgebrauch auch als lästiges Warten bezeichnet. Dabei kann man diese Zeit doch so gut nutzen, man ruht sich ein bisschen aus, führt ein paar nette Gespräche, kauft sich was zum Snacken und schon ist die Zeit um. Wenn ich mal wo eine Stunde warten muss, finde ich das gar nicht mehr schlimm, im Nachhinein kommt es mir dann wie 10 Minuten vor.

Die erste in Togo erbaute christliche Kirche steht in Togoville.
5.       Religionen: Glaubenskriege? Unterdrückung von Minderheiten? Ausgrenzung von Andersgläubigen? Nicht in Togo! Ich habe noch nie erlebt, dass so viele Religionen so friedlich zusammenleben. Mit meiner Gastfamilie besuche ich einen katholischen Gottesdienst, bei meinem Mittagschlaf werde ich regelmäßig vom Muezzin geweckt und auf dem Markt kaufe ich mir Voodoo-Schmuck. Christentum, Islam und Animismus (Naturreligionen) sind die drei größten Glaubensrichtungen in Togo. Nicht selten kommt es vor, dass die Menschen neben dem christlichen oder muslimischen Glauben auch auf Schwarze Magie vertrauen. Ein unerwarteter Regenguss während der Trockenzeit? Da muss der Rainmaker dahinter stecken. Einer Schülerin wurde einmal Geld gestohlen, darauf hin sprach der Lehrer einen Fluch auf den vermeintlichen Dieb aus und wenige Tage später bekam das Mädchen sein Geld zurück. Übersinnliches steht in keinerlei Wiederspruch zu Bibel oder Koran und kann einige unglaubliche Phänomene erklären. Überhaupt ist Glaube hier ein sehr präsentes Thema und wird vier offener ausgelebt als in Deutschland. Ein sehr hoher gesellschaftlicher Wert hier ist Respekt. Jeder wird akzeptiert wie er ist und darf so bleiben. Hier wird niemand schräg angeschaut, es wird nicht hinter dem Rücken getuschelt oder sich ein vorschnelles Urteil gebildet. Man respektiert seinen Gegenüber einfach. Ein gesellschaftlicher Wert, den ich in Deutschland sicher vermissen werde!

6.       Namen: Aus einer alten Tradition werden Kinder nach dem Wochentag benannt, an dem sie geboren sind. Für jeden Tag gibt es einen bestimmten Mädchen- und Jungennamen. Da ich an einem Sonntag geboren bin, wäre mein Name Akossiwa. Oft haben die Kinder auch drei bis vier Vornamen. So finden sich neben typischen togolesischen Vornamen wie Kossi, Koffi, Ama und Yaovi auch viele französische Vornamen. Alte französische Vornamen wie Bienvennue (Willkommen), Dieu-donne (Gottgegeben) und Bien-nè (Gut geboren) finden auch großen gefallen sowie biblische Namen wie Rebécca, Emmanuel und Mohamed. Für meine Schüler ist es regelmäßig eine Gaudi, wenn ich Klassenarbeiten zurück gebe und mich mit ihren Namen plagen muss. Aber Ahouandjogbe, Djihoundo und Houenougnon sind für mich immer noch Zungenbrecher.

7.       Schneiderhandwerk: Von den vielen bunten Stoffen, genannt Pagne (gesprochen: Panje) habe ich bestimmt schon öfters erzählt. Auf den Märkten findet man einfach alle erdenklichen Farben und Muster. Mit seinem Pagne geht man dann zu einem Schneider, von denen es in der Stadt fast so viele wie Friseure gibt. Dem erklärt man dann was man haben möchte, am besten anhand eines Fotos oder einer Zeichnung und wenige Tage später kann man es dann abholen. Mit dem passenden Stoff, guter Erklärungsfähigkeit und einem talentiertem Schneider kann so jeder Designertraum wahr werden. Und das besten dabei: Jedes Stück ein Unikat, maßgeschneidert und günstig obendrein. Für ein Kleid zahle ich ca. vier Euro, für einen Rock drei. So kommt’s dass ich mir schon zwei Hosen, vier Röcke, drei Kleider, zwei Oberteile und eine Tasche hab machen lassen. Und es gibt noch sooo viele Pagne die von mir gekauft und in schöne Klamotten verwandelt werden  möchten.

Ich mit Tresse und Nabi mit geglätteten Haaren
8.       Ich hab die Haare schön: Jede Frau träumt von langen Haaren, auch in Togo. Für die meisten Frauen hier ist das nicht so einfach, da ihre Haare sehr lockig und widerspenstig sind. Für sie gibt es drei Möglichkeiten: die Haare glätten, eine Perücke tragen oder Tresse. Glätten kann man nur bis zu einer bestimmten Länge, Perücken sind ziemlich warm und Tresse sind auch warm und schwer dazu. Deshalb werde ich öfters um meine glatten, wenn auch gar nicht mehr so langen Haare beneidet. Die Tresse habe ich diesen Monat mal ausprobiert. Dafür werden mehrere Packungen Kunsthaar (Mesh) mit dem Echthaar verflochten. Bei mir dauerte das sechs Stunden und es waren auch sechs Stunden Schmerzen! Das Ergebnis hat sich aber sehen lassen, wenn ich der Meinung meiner Mitmenschen vertraue, die behaupteten dass ich mich nun in eine richtige Togolesin verwandelt habe. Die togolesische Frau trägt diese Haarpracht um die vier Wochen, ich hingegen war nach zwei Wochen und zwei Tagen froh, meinen Kopf von diesem Gewicht befreien zu können.

Das rosa Fan Milk Eis  <3  
9.       Essen an der Straße: Für den kleinen und großen Hunger zwischendurch lässt sich hier immer was finden. Gefühlt jede zweite Frau in Togo verkauft etwas zu Essen, entweder an einem Stand auf dem Markt, an der Straße oder ganz mobil mit der Ware auf einem Tablett oder in einer Schüssel auf dem Kopf. Sitzt man im Taxi oder Trotro und hält an einer Ampel, Zoll- oder Mautstation an, scharen sich sofort mehrere Verkäuferinnen um das Auto und preisen ihre Ware an. So kann man sich dann noch ganz bequem mit Snacks und Getränken für die Fahrt eindecken. Besonders gerne hole ich mir frisches Obst (Orangen, Mangos und Avocados), Erdnüsse, Bananenchips, frittierte Teigbällchen und zum Trinken frische gekühlte Säfte. Gerade bevorzuge ich Zitronen-, Baobab- und Hibiskussaft, die auch in Sachet verkauft werden. Zur Abkühlung darf’s dann auch mal ein Eis der Marke „Fan Milk“ sein. Meine Lieblingssorte ist Himbeer-Erdbeere (gibt’s leider nur in Ghana) und Schoko. Verkauft wird das Eis auch im Sachet.


10.   Yovo, yovo Bonsoir: Das ist der Anfang eines Kinderliedes, das jedes Kind in Togo kennt und auch sofort anfängt zu singen, sobald es eine Yovo sieht. Denn Yovo ist das Ewe-Wort für Weiße. Ich habe eine andere Hautfarbe und deshalb falle ich auf, ist ja logisch! An manchen Tagen finde ich es ziemlich nervig ständig angequatscht zu werden, ständig Heiratsanträge von fremden Männer zu bekommen und andauernd im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Meine Hautfarbe öffnet mir hier durchaus Türen, meistens wäre ich aber doch lieber schwarz. Auf dem Markt oder beim Taxi fahren bekommt man grundsätzlich einen höheren Preis gesagt, denn hier gilt das Vorurteil Weiß = reich. Viele Leute sind sehr überrascht wenn ich ihnen erkläre, dass ich einen Freiwilligendienst mache, meine Freizeit opfere und dafür noch nicht einmal Geld bekomme. Klar tut es mir nicht weh, für eine Taxifahrt mal 15 Cent mehr zu zahlen, aber ich find's trotzdem unfair. Durch meine Hartnäckigkeit und mein oft erprobtes Verhandlungstalent bezahle ich aber dann meistens doch den Local-Preis. Ich habe mich sehr gut eingelebt und Togo ist mittlerweile schon so etwas wie ein zweites Zuhause für mich geworden, doch ein Stück weit werde ich immer eine Fremde bleiben. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich durch meine Hautfarbe mal wieder benachteiligt oder ausgenutzt werde. Manchmal macht mich das sehr traurig, aber ich bin nun mal eine Togolesin und jemand aus Togo wird es andersherum in Deutschland wohl auch nicht einfach haben...

Wie ihr merkt, ist es mir mal wieder schwer gefallen mich kurz zu fassen und ich könnte noch so viel mehr erzählen, aber ein paar Geschichten und Anekdoten muss ich auch für meine Rückkehr im August aufheben, die (leider) mit jedem Tag näher rückt.

Ich wünsche euch allen jetzt schon mal frohe Ostern und schöne Feiertage! Haltet die Ohren steif und bis bald!

P.S.: Falls euch Blogeinträge wie dieser gefallen und ihr gerne mehr erfahren würdet oder es andere Sache gibt, die euch besonders interessierten, lasst es mich wissen! Denn mir gehen langsam die Themen aus und wenn ich ständig von meinen Reisen berichte kommt ihr vielleicht noch auf die Idee, dass ich nur zum Urlaub machen hier bin, wo doch meine Hauptaufgabe das Arbeiten ist!

Montag, 9. März 2015

In Ghana „Charley“ means fried!

Charley: vertrauter Ausdruck für "Freund", etwa im Sinne von "Kumpel"
Der Satz ist außerdem Werbespruch der ghnanischen Biermarke "Star"

Die ghanaische Nationalflagge
In diesem Blogeintrag möchte ich gerne von meiner zweiten Ghana-Reise berichten. Meine zwei Wochen Aufenthalt im Nachbarland bestanden aus einer Woche Zwischenseminar und einer Woche reisen.
Am 14.02. machten Maren und ich uns auf zur Grenze. Nach 10minüter Taxifahrt waren wir auch schon da, denn Lomé ist eine der wenigen Hauptstädte weltweit, die direkt an der Landesgrenze liegt. Wie erwartet gab es wieder einige Diskussionen bezüglich des Visa, aber schlussendlich sind wir doch rüber gekommen. Auf der anderen Seite nahmen wir uns ein Trotro nach Accra und von dort dann einen schicken klimatisierten Reisebus nach Kumasi. Als wir dort am Abend ankamen, war es leider schon dunkel, aber trotzdem haben wir unsere Unterkunft sicher erreicht. Im Laufe des nächsten Vormittags trudelten noch einige weitere Freiwillige ein und mit einem gemeinsamen Mittagessen begangen wir dann das Seminar. Das weltwärts-Programm, welches mir diesen Freiwilligendienst ermöglicht, schreibt verschiedene Seminare vor. So hatte ich beispielsweise vor meiner Ausreise im Juli ein 10tägiges Vorbereitungsseminar und im Oktober steht auch das Rückkehrerseminar an. Auch ein Zwischenseminar, ungefähr in der Mitte des Auslandsjahres, ist vorgeschrieben. Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, gab es reichlich Redebedarf wenn 20 Freiwillige aus vier verschiedenen westafrikanischen Ländern zusammentreffen. Es tat gut sich auszutauschen, zu erzählen, zuzuhören, zu sehen dass andere mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, Lösungen zu finden, Tipps zu geben, nette Kontakte zu knüpfen und viel Spaß zu haben. 
Die Seminargruppe
Höhepunkt des Seminars war ein Ausflug zum Lake Bosumtwe, der ca. eine Autostunde Fahrt von Kumasi entfernt liegt. Der See und die umliegende Landschaft sind einfach wunderschön und zudem ist es einer der wenigen Seen in Ghana, in denen man Baden kann. Der See, auch „Crater Lake“ genannt, entstand durch eine  Meteoriteneinschlag, lange wurde auch geglaubt es sei ein Vulkansee. Die Entstehung des Sees gibt weitere Rätsel auf, denn er hat keine Zuflüsse und die Wasseroberfläche steigt trotzdem kontinuierlich an. Das lässt natürlich Spielraum für Mythen. Die Anwohner erzählen die Gesichte so: Ein Jäger schoss einmal ein Reh an und lies es dann verbluten. Das Reh aber blutete und blutete weiter, bis eine große Pfütze entstand, die schließlich zu einem See wurde. Auch heute blutet das Reh noch weiter, das auf dem Grund des Sees liegt und deshalb den Wasserspiegel weiter ansteigen lässt. Die Anwohner ehren den See als heilig, und fahren nur mit kleinen Flossen darauf und paddeln mit den Händen. Touristen hingegen können ihn auch mit Tretbooten befahren…
Einfach traumhaft am Lake Bosumtwe!
Am Sonntag, denn 22.02. endete das Seminar schon wieder. Die Zeit ging viel zu schnell rum, aber ich habe tolle Begegnungen gemacht und viele nette Menschen kennengelernt. Mit einigen habe ich mich so gut verstanden, dass wir beschlossen in der Woche nach dem Seminar gemeinsam zu reisen. Unsere Reise sollte am Montag beginnen und deshalb nutzen wir den freien Sonntagnachmittag und fuhren auf den Kejetia Market von Kumasi, der anscheinend größte Markt Westafrikas und er war wirklich riesig! Deshalb fiel es mir auch nicht schwer, mal wieder ein paar schöne Stoffe zu kaufen.

Am Montagmorgen traf sich unsere Reisegruppe an der großen Station in Kumasi. Dazu gehörten Johanna, Eike und Julian aus Kumasi, Matthis aus dem Norden Ghanas, Franzi aus Nigeria, Lisa aus Burkina Faso und ich. Wir kauften uns Tickets für ein Trotro und fuhren ca 120 km nach Norden in die Brong-Ahafo Region. Dort stiegen wir in Techiman ab. Nach einem kurzen Chill-out im Hotel machten wir uns auf zu unserem ersten Ausflug. Wir fuhren nach Buoyem, ein kleines Dorf in der Nähe von Techiman.



In Buoyem bestiegen wir erst einen riesigen Felsbrocken, von dem man eine großartige Aussicht genießen konnte

Anschließend wanderten durch Maniokplantagen wir zu einem kleinen Wasserfall und dann weiter zu einer Höhle. Von dort hatten wir einen guten Ausblick auf den Talkessel und verstanden auch die Bedeutung des Names Bouyem, nämlich "Stone Stomack".



Am Dienstag fuhren wir in das kleine Dorf Nsuta. Hier sollte laut unserem Reiseführer Stoff aus Baumrinde hergestellt werden. Nachdem wir uns durchgefragt hatten und einigen hilfsbereiten Menschen begegnet waren, kamen wir auch beim Master an. Dieser ging extra mit uns in den Wald, schnitt von einem bestimmten Baum ein Stück Rinde ab und zeigte uns dann im Dorf, wie die Rinde bearbeitet wird. Erst wird die äußere harte Schicht abgezogen und die weiche Schicht dann mit einem Holzhammer platt geklopft.

Man kann sich auch diesem Stoff nicht gerade ein T-Shirt nähen, aber für eine Matte reicht es allemal.
Wir haben uns auch alle ein kleines Stück Baum-Stoff als Erinnerung mitgenommen.
Es war schön, mal zu keiner Touri-Attraktion zu fahren, an der alles schon aufbereitet ist, sondern sich erst mal durchzufragen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, und ihre Freude zu sehen, wenn man echtes Interesse an ihrer Arbeit zeigt!
Den restlichen Tag verbrachten wir auf dem Markt in Techiman, der anscheinend der größte Wochenmarkt Ghanas sein soll. Groß war er wirklich und so konnten wir uns dort einige Stunden aufhalten und diverse Einkäufe tätigen.
Eine kleine Anekdote zwischendrin: Als wir vom Markt zurück kamen, wollte ich mich kurz hinlegen und stellte die Klimaanlage auf 27 °C. Promt bekam ich eine Gänsehaut und musste mich zudecken! Ich erfriere, wenn ich zurück nach Deutschland komme!!

Am Mittwoch Vormittag fuhren wir nach Tanoboase, um dort Felsformationen zu besichtigen. Unser Guide erklärte uns einige interessante Dinge. So führen die Ashanti, die in dieser Region angesiedelte Ethnie, zwischen den Felsen noch regelmäßig traditionelle Versammlungen und Feste aus. Früher wurde sogar während Kriegszeiten der König der Ashanti zwischen den Felsen versteckt. Highlight des Vormittags war aber das Klettern von Fels zu Fels, bei dem wir alle wieder zu Kindern wurden und immer noch höhere und ausgefallenere Felsen entdeckten, die wir besteigen wollten


Es machte einfach riesigen Spaß zwischen den Felsen hin und her zu klettern, wobei natürlich auch einige Fotos entstanden sind. Am besten gefällt mir das hier rechts. Wir sieben auf diesem freistehenden Felsen und hinter uns erstreckt sich die Weite der Ashanti-Region.


Mittags fuhren wir weiter nach Kintampo. Dort bezogen wir unser Guesthouse und fuhren anschließend weiter zu den Kintampo Waterfalls, dafür quetschten wir uns zu siebt plus Taxifahrer in die ghanaischen Minitaxis. Wozu viel Geld in Taxifahrten zu stecken, wenn es doch in einem leckeren Abendessen viel besser investiert ist, lautete die Devise. An den Waterfalls konnten wir uns endlich abkühlen, nach Herzenslust Duschen und Planschen, über die algigen Felsen rutschen und uns in der Sonne wieder aufwärmen. Dazu noch ein leckeres Picknick mit frischem Obst vom Markt - ein perfekter Urlaubstag!
Auf der Rückfahrt kamen wir dann übrigens in eine Polizeikontrolle. Nach einer Standpauke des Polizisten ("You are overloaded") und 5 Cedi Schmiergeld (ca 1,25 €) durften wir alle wieder einsteigen und weiterfahren. Da fragt man sich doch, was die Polizeikontrolle jetzt gebracht hat, abgesehen davon dass der Polizist sich ein kleines Trinkgeld dazu verdient hat. Aber uns solls Recht sein, das Abendessen war lecker, auch wenn wir 2 Stunden darauf warten mussten.


Da wir am Mittwoch noch nicht genug von Wasserfällen hatten, fuhren wir am Donnerstag zu den Fuller Waterfalls. Die hatten wir ganz für uns alleine und nutzen den Tag zum Entspannen, Sonnen und natürlich Planschen. Es ist einfach so praktisch, wenn man zu lange in der Sonne gelegen hat, dann stellt man sich kurz unter die natürliche Dusche und -zack- ist man wieder erfrischt!

Der Freitag war schon unser letzter Urlaubstag und wir fuhren vormittags weiter nach Buabeng-Fiema. Das ist ein Waldgebiet, in dem zwei Dörfer liegen (Buabeng und Fiema). Dort wurde ein Monkey Sanctury eingerichtet. Denn seit über 160 Jahren gelten die Affen als heilig für die Dorfbewohner, weshalb sie niemals gejagt oder bedroht wurden. Aus diesem Grund haben die Affen keine Angst vor Menschen und sind sehr zutraulich. Morgens und Abends kommen sie in die beiden Dörfer und schauen, ob es nicht ein paar Bananen für sie gibt.
Unser Guesthouse in Buabeng war eher rustikal und unser Duschwasser mussten wir auch erst aus dem Brunnen pumpen, aber das fanden wir gar nicht schlimm. Wir haben sogar einen Pump-Service angefangen und für alle Dorfbewohner Wasser gepumpt, was auf ihrer Seite zu einer amüsierten Stimmung sorgte, bei uns für Muskelkater in der Armen... Nachdem wir uns also den Tag gemeinnützig vertrieben hatten machten wir uns Nachmittag gemeinsam mit einem Guide auf in den Wald. Der Pfad führte an riesigen Bäumen vorbei, unter anderem Mahagoni, und auch an verschiedenen Ficus-Bäumen, die an einem anderen Baum empor klettern und ihn schließlich erdrücken, wenn ihre Blätter die Sonnenstrahlen erreichen. Der innere Baum stirbt ab, wird morsch und zerfällt, der Ficus hingegen lebt weiter und kann gut zum klettern genutzt werden (Bild links).
Ziemlich bald trafen wir dann auch auf einige Affenfamilien, die Touristen auch gerne aus der Hand fressen (Bild rechts). Obwohl sie die Banane gerne wegreißen würden, beißen sie nur sehr vorsichtig ab und ich brauchte nicht um meine Finger zu fürchten. 



Einer der Meerkatzen-Affen verspeist gemütlich seinen Banane.
Unseren letzten gemeinsamen Abend verbrachten wir bei mittelmäßigem Essen, ghanaischem Bier und einigen sehr witzigen Runden von "Wer bin ich?". Am Samstag Morgen fuhren wir zurück nach Kumasi, wo es Abschied nehmen hieß. Zum Glück konnte ich gemeinsam mit Franzi und Lisa nach Accra fahren, wo wir noch einmal übernachteten und auch noch ein paar sehr abenteuerliche Stunden verbrachten. Am Sonntag passierte ich dann um die Mittagszeit die Grenze zu Togo und war ehrlich froh, wieder "zu Hause" zu sein. Schon die togolesischen Grenzbeamten waren viel netter als die ghanaischen und begrüßten mich mit einem freundlichen "Bon Arivée!". Meine Gastfamilie war total aus dem Häuschen als ich wieder da war und auch die Freude im Lehrerzimmer war groß, als ich am Montag Morgen ankam und bekam erst mal Begrüßungsküsschen rechts und links. Es war ein schönes Gefühl, zu wissen dass man so willkommen ist! Lomé ist in den letzten sechs Monaten wirklich ein Stück Heimat für mich geworden und nun auch ein Teil von mir. Durch die Ghana-Reise und vor allem das viele Reflektieren auf dem Seminar, ist mir bewusst geworden, wie gerne ich hier bin und was für ein Glück ich habe. Wenn ich daran denke, dass nun schon über die Hälfte meines Jahres vorbei ist und ich mich in wenigen Monaten verabschieden muss -vielleicht für immer- bekomme ich schon einen dicken Klos im Hals.
Aber es zählt der Moment und das Hier und Jetzt. Gerade geht es mir wirklich sehr gut und ich verspüre ein Gefühl von tiefer Dankbarkeit und Freude, dieses Jahr in Togo verbringen zu dürfen, all diese Erfahrungen zu machen, all diese interessanten Begegnungen zu machen, all diese netten Menschen zu treffen. Symbolisch für dieses Hochgefühl steht mein Luftsprung:

P.S.: Freut euch nicht zu früh, nach Deutschland komme ich auf jeden Fall zurück! Maultaschen und Kartoffelsalat liebe ich dann doch zu sehr, um es gegen 365 Tage Sommer im Jahr eintauschen zu wollen!