Donnerstag, 12. Februar 2015

Dies, Das, Ananas

Was in der Zwischenzeit geschah...

Besuch bei Kolping Togo
Ausladen des Containers - ich darf ein Rad tragen!
Mitte Januar besuchten meine Mitfreiwillige Maren und ich zum ersten mal das Büro des Hauptsitzes von Kolping in Togo. Unsere deutsche Entsendeorganisation ist Kolping, und so ist es nahe liegend, sich auch mal den Sitz in Togo anzuschauen. Außerdem sind wir mit unserer Arbeit in der Schule nur Vormittags ausgelastet und auf der Suche nach einem weiteren Projekt. Dieses sollte gleich am nächsten Tag unseres Besuches beginnen. Die Kolping-Familie Emsdetten hatte in mühevoller Arbeit alte und ausrangierte Fahrräder gesammelt und zwar so viele, dass sie einen ganzen Schiffscontainer füllten! Dieser wurde dann per Schiff nach Togo verschickt und kam nach mehreren Wochen auf See auch wohlbehalten in im Hafen von Lomé an. Schließlich wurde der Container bis vors Kolping Büro gefahren. Dort warteten schon einige Mitglieder mehrerer Kolpingfamilien aus Lomé, die alle gekommen waren um beim Auslanden zu helfen. Maren und ich durften auch mit anpacken, und machten Fotos und sammelten Infos um das Ganze zu dokumentieren. Die vielen Männer wollten aber nicht dass wir Mädchen schwer tragen, und so waren wir froh, wenn wir beim Ausladen einen Reifen oder ein Rad ergattern konnten.
Maren und ich mit Laurent, dem Präsident von Kolping Togo
An diesem Samstagnachmittag wurden über 300 Fahrräder in der Garage und auf dem Hinterhof des Kolping Büros verstaut. Nun soll im Hof eine Fahrrad-Werkstatt errichtet werden. Hier sollen die Fahrräder wieder auf Vordermann gebracht werden, um sie später zu vermieten oder zu verkaufen. Die Fahrrad-Werkstatt soll jungen Leuten Ausbildung und Perspektiven bieten. Darüber hinaus soll auf Umweltschutz hingewiesen werden und durch Fahrradnutzung die Abgase in der Luft über Lomé verringert werden, denn von denen gibt es mehr als genug.

Gruppenfoto mit allen fleißigen Helfern und einem Teil der Fahrräder.


Wochenende in Kpalimé
Ich und ein original Öhringen-Bildband!
Am Wochenende darauf fuhr ich mal wieder nach Kpalimé um Freunde zu besuchen. Wir verbrachten ein paar schöne Tage zusammen, shoppten Stoffe und Schmuck auf dem Markt und gingen abends lecker Essen beim Belgier, der macht den besten Linsenburger in ganz Togo! Mein persönliches Highlight des Wochenendes spielte sich aber in der Gastfamilie von Pauline und Klara ab, bei denen ich übernachtete. Eine ihrer Gastschwestern blätterte Abends in einem Bildband, der mir seltsam vertaut vorkam. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es ein Bildband über Öhringen ist, meine Heimatstadt! Vor 2 Jahren hatte die Gastfamilie nämlich einen Freiwilligen aus Öhringen, der das Buch als Gastgeschenk mitgebracht hat. Was für Zufälle es gibt... Ich habe mich ziemlich gefreut, so etwas heimatliches in der Hand zu halten und auch andere Freiwillige aus Berlin, Frankfurt und Co mussten zugeben, dass "mei Öhringe fei echt a schees Städtle isch".Vor Kurzem hatte auch eine meiner Schülerinnen eine Trainingsjacke an, auf der hinten drauf stand "SG Langenbeutingen-Brettach". Altkleidersammlung macht's möglich...


Got my own english class!
Ich erkläre die Going-To-Future
Unterrichtsvorbereitung: Mithilfe von Teachers Book (oben) und
Students Book (links) bereite ich eine Lesson Card (rechts) vor.
Seit dem 19. Januar habe ich nun auch meine eigene Englischklasse. Ich habe mich für die 6e E entschieden. Die Jüngsten in der 1. Reihe sind geschätzte 10 Jahre alt und die großen Jungs aus der letzten Reihe, die im Unterricht auch gerne mal eine Schlägerei anfangen, sind schon 18. Der Großteil ist aber zwischen 13 und 15 Jahren alt. Die Klasse umfasst 107 Schüler, 63 Mädchen und 44 Jungs. Ich habe diese Klasse gewählt, weil sie in den vergangenen Wochen in meinem Unterricht am besten mitgearbeitet haben und auch am Nettesten war. Nun bereite ich täglich den Unterricht für diese Klasse vor, halte ihn auch alleine und bin auch für ihre Englischnoten verantwortlich. Ich hoffe ich kann dieser Verantwortung gerecht werden! Ich freue mich jeden Tag wieder auf den Unterricht. An manchen Tagen klappt es richtig gut und alle arbeiten ruhig und konzentriert mit. An anderen Tagen kann ich einfach keine Ruhe in die Klasse bringen und verstehe teilweise mein eigenes Wort nicht mehr, wenn ich versuche etwas zu erklären. Meine Tafelschrift können sie mittlerweile auch ganz gut entziffern, das Abschreiben braucht aber trotzdem noch viel Zeit. Besonders gerne sprechen sie Dialoge. Wenn ich ein paar Sätze mit ihnen übe und dann frage wer nun vorlesen möchte gehen locker schon mal 20 bis 30 schnipsende Finger nach oben. Das ist für mich immer eine kleine Bestätigung, dass ihnen mein Unterricht auch Spaß macht.


Wochenende in Djekotoe
Selbstgemachtes Buie - togolesische Frühstücksspezialität
Am folgenden Wochenende fuhr ich gemeinsam mit Lina und Lena aus Lomé in das kleine Dorf Djekotoe, um Hannah und Franzi zu besuchen. Ende Oktober habe ich sie schon einmal besucht, vielleicht erinnert ihr euch. Am Freitag gingen wir auf den Wochenmarkt und kauften fürs Wochenende ein. Die restliche Zeit verbrachten wir nämlich hauptsächlich mit Quatschen und natürlich Essen und Kochen. Jeden Morgen wurde erst mal gemütlich ein Brunch gemacht. Am Samstag mit Bananenpfannenkuchen und am Sonntag mit Buie. Das ist eine togolesische Spezialität und wird aus Mais- oder Maniokmehl, heißem Wasser, Zucker und Kondensmilch hergestellt. Das ergibt eine schleimige Masse und kann wie Brei gelöffelt werden. In Togo frühstückt das praktisch jeder. Je nach Süße schmeckt das Buie meistens ziemlich lecker. Ansonsten haben wir unsere Bäuche mit Spaghetti mit Tomatensoße, selbstgemachten Pommes, Stockbrot am Lagerfeuer und togolesischem Bohneneintopf verwöhnt.

Hannah, Lena, Franzi, Lina und ich



Besuch von Mama


Cascade de Tomegbe
Ein großes Highlight meines Aufenthaltes in Togo ereignete sich auch im Januar; nämlich der Besuch meiner Mama. Der besten Mama der Welt, um das an dieser Stelle mal zu betonen. Sie landet am 28. Januar in Lomé und die Freude beim Wiedersehen am Flughafen war natürlich riesig. Am 29. fuhren wir nach Kpalimé um dort das Wochenende zu verbringen. Wir wanderten dort zu einem Wasserfall, dem Cascade de Tomegbe, besuchten den Markt und das Centre Artisanal (Kunstzentrum), shoppten bunte Stoffe und Mitbringsel, gingen lecker Essen und genossen die Sonne am hoteleigenen Pool. Unter der Woche waren wir dann zu Hause in Lomé, damit Mama meinen Alltag und mein Umfeld kennen lernen konnte. Wir waren am Strand, auf dem Grand Maché, im Nationalmuseum und in einem weiteren Centre Artisanal. An einem Abend besuchten wir eine Vernissage im Goethe Institut „Auf deutschen Spuren in Togo“. Das war eine Fotoausstellung über Überbleibsel aus der deutschen Kolonialzeit in Togo. Neben dem deutschen und französischen Botschafter war auch ein Fernseh-Team zur Stelle, die auch das Publikum filmten. Zwei Tage später kam in den 20-Uhr-Nachrichten ein kleiner Bericht über die Vernissage und Mama war tatsächlich darin zu sehen! Das hab ich bis jetzt in 5 Monaten noch nicht geschafft!

Das Weihnachtspaket von meiner Oma kam am 2. Februar dann auch mal an!
Einen Vormittag begleitete mich Mama auch in die Schule und wurde von sämtlichen Lehrern und dem Schulleiter sehr nett empfangen. Meine Klasse hat sich auch total gefreut und gleich ein Lied für sie gesungen. Meine Gastfamilie hat Mama auch total herzlich empfangen und immer was extra Gutes gekocht. Sowieso haben die meisten Leute sehr positiv auf ihren Besuch reagiert und sich gefreut, dass jemand kommt und ihr Land anschaut.
Die schöne Aussicht auf den Lac Togo musste ich sofort mit der
Kamera festhalten.
Am Donnerstag fuhren wir an den Lac Togo und machten eine Bootstour nach Togoville. Das ist die erste Stadt, die von den deutschen Kolonialisten gegründet wurde. Es gibt eine schöne Kirche und andere Sachen zu besichtigen. 1985 war sogar Papst Joahnnes Paul II dort. Ironischer weise wird die Stadt heute als das Herz Togos bezeichnet und die Mehrheit der 6000 Einwohner gehört der Voodoo-Religion an. Der Ausflug war sehr lohnenswert, auch wenn ich es ein bisschen nervig fand, dass dort alles so stark auf Tourismus ausgelegt war und jeder (Taxifahrer, Bootfahrer, Guide) an uns verdienen wollten. Aber wenn ich eins in Togo gelernt habe, dann ist es zu handeln und diskutieren!
Fischerboot und Netz
Blick auf Togoville vom Lac aus
Einsame Strände...
Anschließend gings an den Cocobeach, wo wir den restlichen Tag, die Nacht und den Freitag verbrachten. Wir hatten fast den ganzen Strand für uns alleine und abgesehen von meinem Sonnenbrand war es wirklich traumhaft! Am Freitagabend waren wir noch in meinem Lieblingsrestaurant Pizza essen und dann hieß es am Samstag 07.02. auch schon wieder Abschied nehmen. Die 11 Tage gingen unglaublich schnell rum, aber wir haben die gemeinsame Zeit sehr genossen und auch ordentlich ausgenutzt. Durch ihren Besuch habe ich auch gemerkt, wie gut ich mich schon eingelebt habe, wie gut ich mich auskenne und was alles schon normal für mich geworden ist. Es hat Spaß gemacht, jemandem von außerhalb alles zu zeigen und die Welt hier zu erklären!
Mir war es im Vorfeld sehr wichtig, wenigstens einmal in Togo Besuch zu haben, damit es in meinem Umfeld in Deutschland mindestens eine Person gibt, die in etwa nachvollziehen kann wie es ist hier zu leben, immer aufzufallen, über den Markt zu laufen, Taxi zu fahren, vor 100 Schülern zu stehen, leckeres Obst zu essen, mit schlechtem Internet zu kämpfen, ständig zu schwitzen, die Wäsche mit der Hand zu waschen etc… Ich glaube, das haben wir ganz gut hinbekommen. Liebe Mama, ich bin dankbar für deinen Besuch, aber auch für alles andere, du weißt Bescheid! AKBEKAKALOO! (Vielen Dank auf Ewe, das einzige Ewe-Wort, das meine Mama mit viel Mühe hier gelernt hat.)
Das obligatorische Cocobeach-Foto!


Werbeaufruf für mein Postfach J
Platz genug für weitere Briefe und Postkarten
An dieser Stelle möchte ich auch mal darauf hinweisen, dass ich hier in Togo auch eine Postadresse habe und man mir Briefe und Päckchen schicken kann. Ein normaler Brief kostet schlappe 75 Cent und ein 500g-Paket 3,50 €. An meiner Foto-Postkarten-Brief-Wäscheleine ist noch genug Platz frei... Ich freu mich wirklich über jede Art von Post und natürlich antworte ich auch! Aber da müsst ihr euch ein bisschen gedulden, die Post ist immer zwischen 2 Wochen und 2 Monaten unterwegs. Im Vorfeld schon mal vielen Dank J



Meine Adresse lautet:
Verena Schulin
(AZINOGO Xavier)
s/c AGBOBLI William
07 BP: 13764 Lomé 07

LOME – TOGO


Der Januar ging vorbei wie im Fluge, und der Februar wird mindestens genau so schnell vorbei gehen. Vom 15. bis zum 22. habe ich mein Zwischenseminar in Kumasi in Ghana, auf das ich mich schon sehr freue. Danach möchte ich gemeinsam mit anderen Kolping-Freiwilligen den Norden Ghanas bereisen. Wenn ich dann zurück nach Lomé komme, bleiben mir nur noch 5 Monate meines Freiwilligendienstes. Manchmal habe ich das Gefühl, je länger ich hier bin, desto schneller vergeht die Zeit! Ich melde mich Anfang März wieder, natürlich mit einem Bericht über meine zweite Ghana-Reise. Bis dahin - bleibt gesund, feiert auf den Faschingspartys und saust ein paar Pisten für mich runter! Alles Liebe, eure Verena

Freitag, 16. Januar 2015

Ghana mit G wie Großartig, Genial, Great

Ein Reisebericht über meine 10 Tage in Ghana in den Weihnachtsferien

Kurs auf die ghanaische Grenze
Am Morgen des 26. Dezembers um 6 Uhr in der Früh trafen wir uns an der Grand Station de Kpalimé, um von dort mit einem Trotro in die ghanaische Stadt Ho zu fahren. Wir, das sind 2 Freiwillige aus Lomé, 4 Freiwillige aus Kpalimé und ich. Jedoch hatten wir unsere Rechnung ohne das togolesische Verkehrssystem gemacht. Die Trotros fahren nämlich erst los wenn jeder Platz besetzt, 4 zusätzliche Personen reingequetscht sind und man außer dem Kopf nichts mehr bewegen kann. Und so warteten wir und warteten und nach langen 5 Stunden Warten konnte die Fahrt endlich beginnen. Schon hier merkten wir, das unsere Reise wohl unter keinem guten Stern zu stehen scheint. Die Ausreise an der togolesischen Grenze gestaltete sich auch als schwieriger, da der Grenzbeamte wohl noch nie einen Pass, geschweige denn ein Visum gesehen hat und eine Dreiviertel Stunde brauchte um 7 Stempel zu setzten. Aber immerhin: die erste Hürde war genommen! Nach ein paar Minuten Fahrt durchs Niemandsland erreichten wir die ghanaische Grenze.Doch hier wäre unsere Reise fast gescheitert, denn der Grenzbeamte war der festen Überzeugung, dass unser Ghana Visum ungültig ist und wollte uns unter keinen Umständen ins Land einreisen lassen. Zwei Stunden Diskussion, Bestechungsversuche durch Kekse und weibliche Reize, alles war erfolglos. Nachdem der gute Mann uns dann fragte, ob wir eigentlich wissen, was es kostet in unser Land rein zu kommen, wurde uns klar, wo das Problem liegt: Hier möchte jemand sein Ego aufpushen und den Weißen mal so richtig eins auswischen. Das war das erste Mal dass wir in Kontakt mit dem sogenannten "Weißen-Rassismus" kamen. Enttäuscht mussten wir uns geschlagen geben und ein Taxi zurück zur togolesischen Grenze nehmen. Auf der Fahrt war die Stimmung deutlich gedrückt, es ist einfach kein schönes Gefühl so offensichtlich ungerecht behandelt zu werden und sich nicht wehren zu können! Wir beschlossen aber nicht aufzugeben, da wir wussten unser Visum ist gültig, und fuhren zu einem anderen Grenzübergang. Auf dem Weg dorthin trafen wir einen togolesischen Polizisten, der uns freundlicher Weise anbot uns zur nächsten Grenze zu begleiten und dort alles für uns zu klären. Dort sind wir dann auch ohne Probleme rüber gekommen und waren überglücklich dass wir unseren Urlaub doch noch antreten konnten und konnten es gar nicht richtig glauben, tatsächlich in Ghana zu sein. Die Straßen ohne Schlaglöcher, Straßenschilder, Straßennamen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, all das beeindruckte uns noch mehr.Nach einem kurzen Zwischenstopp in in der Stadt Ho erreichten wir gegen 19 Uhr unser Hotel Mountain Paradise in Amedzofe. Für eine Strecke von 20 km Luftline hatten wir einen ganzen Tag gebraucht.

Gruppenfoto am Gipfelkreuz des Mt Gemi
 Am nächsten Tag entspannen wir erst mal auf der Terrasse und als wir langsam Hunger bekamen, beschlossen wir ins nächste Dorf Biakpa zu laufen, um dort Essen einzukaufen und die Touri-Info zu besuchen. Daraus wurde dann ein 12 km Spatziergang, bei dem wir auch einen der höchsten Berge Ghanas, dem Mt Gemi bestiegen. Und das alles mit Flip Flops und Handtasche! Wegen dem Haramattan war die Aussicht eher bescheiden, aber wir fühlten uns wie in den Wolken.
Den folgenden Tag verbrachten wir auf unserer Terrasse und genossen die Aussicht und unseren Urlaub. Auf dem Foto kann man gut erkennen, wie der Harmattan die Sicht trübt. In den Bergen war die Vegetation noch mal ganz anders, wie wir sie von Togo kannten, alles war so schön grün und dicht bewachsen. An diesem Tag sind noch mal 3 weitere Mädels zu unserer Gruppe zugestoßen, ihr könnt euch bestimmt gut vorstellen, dass es bei einer Gruppe von 10 Mädels immer was zu Lachen gibt und wir viel Spaß hatten!

Den folgenden Tag waren wir aber wieder sehr aktiv und machten einen Ausflug ins Tafi Atome Monkey Sanctury. Das war ein eingegrenzter Bereich im Regenwald, wo verschiedene Affenfamilien leben und man sie dort in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann und wenn man sie mit Bananen anlockt, kommen sie sogar auf den Arm. Unser Guide erklärte uns auch einige interessante Sachen über die Affenfamilien, zum Beispiel dass es unter den verschiedenen Banden auch öfters Streit gibt.
Ich mit meinem neuen Affenfreund
Gruppenfoto mit Äffchen
Anschließend fuhren wir noch an den Lake Volta, nach dem die Region in der wir uns gerade aufhielten, benannt war, nämlich die Volta Region. Laut Wikipedia ist der Voltasee mit einer Fläche von 8502 km2 der größte vollständig von Menschen geschaffene Stausee weltweit. Er erstreckt sich über große Teile des Osten Ghanas und hat große Bedeutung für Handel und Industrialisierung.

Ausblick auf den Lake, durch den Harmattan wieder getrübt
Fischerboote und geschäftiges Treiben am Ufer des Lake Volta

Am 30. Dezember setzten wir unsere Reise fort und fuhren nach Accra, die Hauptstadt Ghanas. Die Fahrt beanspruchte fast den ganzen Tag, die Aussicht vom Hotel "Magic Beach Resort" und ein abendliches Bad im Meer entlohnte aber so einiges. Am 31. Dezember fuhren wir in die Accra Mall, ein riesiges Einkaufszentrum am Stadtrand von Accra. Es war richtig schön sich mal wieder ein bisschen europäisch zu fühlen, in richtige Läden zu gehen und sich mit Fast Food vollzustopfen. Die Krönung des Tages war dann ein Kinobesuch am Nachmittag, wo wir uns "Mockingjay", den dritten Teil der Tribute von Panem ansahen. Wieder zurück im Hotel, machen wir uns schick für den Abend. Ein komisches Gefühl nach langer Zeit mal wieder Kajal und Wimperntusche zu benutzten. Nach einem leckeren Abendessen und ein paar Gläsern machten wir uns auf zum Stadtzentrum, um dort das neue Jahr zu begrüßen. Wir feierten in einer Rooftop Bar, von der wir einen tollen Ausblick auf der Feuerwerk in der Stadt hatten. Dieses Silvester war anders wie sonst, aber deshalb nicht weniger schön und es war wirklich eine lustige Nacht.

Der Neujahrsmorgen war aber wie gewohnt: ausschlafen und dann auf die Suche nach Katerfrühstück gehen. Wir kauften uns an einem Straßenstand Reis mit Bohnen und scharfer Soße für umgerechnet 25 Cent, ein Essen das wir während der gesamten Reise ein bis zwei mal am Tag zu uns nahmen. Lecker und günstig, was will man mehr? Am Nachmittag fuhren wir noch mal ins Kino, das muss man schließlich ausnutzen, denn in Togo gibt es kein Kino. Wir sahen uns den 3. Teil von "Der Hobbit" an und schmuggelten unser Katermittagessen, Burger und Pommes, in den Kinosaal.

Am 2. Januar setzten wir unsere Reise fort nach Cape Coast, eine Stadt am Meer ca. 150 km westlich von Accra. Die Stadt ist geschichtlich von großer Bedeutung und lebt viel vom Fischfang, wie man an der vielen Fischerbooten am Strand erkennen konnte.

Fischerboote in Cape Coast

Am Nachmittag unserer Ankunft besichtige ich mit einer Freundin das "Cape Coast Castle". Von hieraus wurden früher viele Sklaven verschifft. Bei einer sehr interessanten Führung und im zugehörigen Museum erfuhren wir einiges über die damaligen Zustände. Das Castle bot Platz für 1000 Sklaven, jeweils zu 200 in einem dunklen, stickigen Raum eingepfercht, die dort drauf warteten durch das "Door of no Return" zu gehen und auf Schiffe verlanden zu werden. Das Castle ist an sich sehr schön zu besichtgen, wenn man sich jedoch die traurige Geschichte vor Augen führt bekommt man jedoch ein seltsam beklemmendes Gefühl und ist sehr froh darüber, dass Sklavenhandel mittlerweile abgeschafft ist.

Aussicht auf den Strand von Cape Coast vom Castle aus. Dort wo die vielen Palmen stehen,
haben wir übrigens gewohnt.
Am folgenden Tag besuchten wir den Kukum National Park. Hier kann man auf verschiedenen Pfaden zwischen den Baumwipfeln umherspazieren und eine tolle Aussicht auf den Regenwald genießen. Außer Schmetterlingen und Vögeln haben wir leider keine Tiere gesehen, was aber auch nicht verwunderlich ist, wenn eine Gruppe von 40 Touris über die Brücken stampft. Da würde ich mich als Affe oder Elefant auch lieber im Urwald verstecken. Im Regenwald regnet es übrigens gar nicht immer, dort ist gerade wie in Togo auch die Trockenzeit, und deshalb ist es weder matschig noch feucht, sondern auch trocken. Der Wald hier hatte sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit dem heimischen Wald in Deutschland.




Höhenangst? Fehlanzeige!
Ich lässig am Abhängen.

Die Aussicht auf den Kukum National Park
Auf verschiedenen Pfaden konnte man von Baum zu Baum laufen
Am nächsten Tag, 4. Januar, musste ich leider schon Heimfahren, denn in Togo ging die Schule am 5. Januar wieder los. Meinen letzten Abend verbrachten wir bei einem leckeren Essen im Hotel und einer anschließenden Party, wobei wir sogar einige Ghanaer dazu überreden mit uns eine Runde Flunky Ball am Strand zu spielen, und das natürlich mit 0,65 L Flaschen.

Morgenstimmung am Strand vom Hotel am Morgen meiner Abreise.

Nach ca 8 Stunden Busfahrt erreichte ich Lomé und kam gegen 19 Uhr erschöpft aber glücklich in meiner Wohnung an. 12 Stunden später stand ich bereits wieder vor der Klasse um Englischunterricht zu halten. Aber dazu mehr beim nächsten Mal! Bis dahin mache ich weiter lauter schöne Fotos für euch. 


Ich wünsche euch noch alles Gute fürs neue Jahr! In Togo wünscht man sich "santé und succes", also Gesundheit und Erfolg!
Macht's gut und bis bald!
Eure Verena







Dienstag, 23. Dezember 2014

Weihnachtsstimmung bei 34° C !?

Ho, ho, ho! In diesem Blogeintrag möchte ich euch ein paar Eindrücke vermitteln, wie ich die Adventszeit verbracht habe, wie die Togolesen Weihnachten feiern und wie bei 34 ° C Weihnachtsstimmung aufkommt... oder auch nicht.
Um ein bisschen in weihnachtliche Stimmung zu kommen habe ich meine Wohnung weihnachtlich dekoriert. Dank dem Päckchen von meiner lieben Mama, das pünktlich zum ersten Dezember ankam, hatte ich sogar einen Mini-Weihnachtsbaum mit batteriebetriebener Mini-Licherkette. Außerdem waren auch gleich zwei Adventskalender im Paket. Einmal eine Postkarte mit einem Bildchen für jeden Tag und eine Talettenpackung mit 24 Smarties drin.




 Auch das Wohnzimmer wurde durch einen Adventskalender geschmückt, den meine Mitfreiwillige Maren und ich uns gegenseitig gefüllt haben, sodass wir abwechselnd ein Türchen aufmachen durften. Die Bonbons haben den Temperaturen aber leider nicht stand gehalten und sind noch im Adventskalender geschmolzen, wodurch es eher eine klebrige Überraschung wurde.

Auf dem Grand Maché in Lomé gab es eine ganze Gasse voller Weihnachtsschmuck. Der Trend geht hier eher zu bunt, schrill, glitzernd und blinkend. Die Tannenbäume sind aus Plastik und und mit Kunstschnee bedenkt, versteht sich von selbst... Es ist wirklich ein ziemlich komisches Gefühl in Top und kurzer Hose über den "Weihnachtsmarkt" zu schlendern. Aber auch mal schön, sich keine tauben Zehen zu holen!












Im großen Supermarché gibt es sogar Schokoweihnachtsmänner im Kühlregal! Einen haben wir uns dann gegönnt und als wir ihn 20 Minuten später Zuhause vernaschen wollten, war er bereits fast geschmolzen. Wir haben ihn uns trotzdem schmecken lassen! Der Supermarché ist auch richtig schön kitschig dekoriert und man kann dort außer Weihnachtsdeko auch Adventskalender, Lindor-Schokolade und vieles anderes kaufen. Faschigs- und Osterdeko steht übrigens auch schon im Regal...






Ehrlich gesagt muss ich zugeben, dass ich mich noch kein Stückchen weihnachtlich fühle. Für mich ist eigentlich seit vier Monaten August und wenn die Datumsanzeige von meinem Handy Dezember anzeigt, muss ich immer grinsen, weil es sich einfach so überhaupt nicht nach Dezember anfühlt.
Wir haben in der Schule zwar Weihnachtslieder im Englischunterricht gesungen (Holy Night, Silet Night und Ihr Kinderlein kommet mit englischem Text) und aus TV und Radio dudelt auch ständig Weihnachtsmusik, aber für Weihnachtsstimmung gehört für mich einfach der deutsche Winter dazu (den ich übrigens im Moment nicht vermisse).
Ich habe auch das Gefühl, das Weihnachten in Togo kein so besonders großes Fest ist. Außer blinkenden Lichterketten an diversen Laternen und Bäumen und ständiger Beschallung durch Christmas Hits merkt man nicht, dass das Weihnachtsfest naht. Die Leute sind alle so wie immer, und bis jetzt hat mir auch noch niemand schöne Weihnachten gewünscht. Das finde ich aber nicht weiter schlimm, ich habe mich eher darauf eingestellt dass Weihnachten für mich dieses Jahr ausfällt. Und so kann ich auch schnell den ein oder anderen wehmütigen Gedanken an meine Familie, den Weihnachtsbaum und das Weihnachtsessen schnell verdrängen.
In Togo wird Weihnachten nur am 25. Dezember gefeiert. Vormittags werden wir gemeinsam das Essen zubereiten und Mittags wird dann gut gegessen, getrunken und gefeiert. Ich bin schon sehr gepannt wie das wird und freue mich auch darauf, denk Tag mit meiner Gastfamilie verbringen zu dürfen.





Ansonsten ist es hier gerade ziemlich heiß, denn vor einigen Wochen hat nun endgültig die Trockenzeit angefangen und seit dem hat es auch keinen Tropfen geregnet. Die Luft ist trotzdem noch relativ feucht, was am gemäßigten Klima durch den Atlantik liegt. Zur Trockenzeit gehört hier auch der Harmattan. Das ist ein kontinentales Windsystem Nordafrikas, das durch Wüstenstaub- und Sand oft für schlechte Sicht sorgt und in Westafrika typisch für die Trockenzeit ist.






Ein Nachmittag am Strand von Lomé.

Die Weihnachtsferien habe ich bis jetzt eher mit einem Korrigier-Marathon verbracht, 200 Stück in nur fünf Tagen. Leider sind die Prüfungen nicht so gut ausgefallen, wie ich es mir erhofft hatte. Aber trotzdem hatte ich beim Korrigieren auch meine Freunde. In einer Aufgabe mussten die Schüler einen kleinen Text über sich schreiben und unter anderem auch den Namen ihres Englischlehrers angeben. Und da haben doch tatsächlich einige Schüler auch meinen Namen hingeschrieben, obwohl ich sie bis jetzt gerade mal eine Woche unterrichtet habe und sonst nur dem Lehrer assistiert habe. Das hat mich echt sehr gefreut, denn das zeigt mir, dass die Schüler mich akzeptiert haben und mich als Lehrerin ansehen!


Nach so einem Korrigier-Marathon musste ich feststellen, dass es auch in Togo Chantals und Kevins gibt. Die Chantal hier hat aber relativ gut abgeschnitten und auch meinen Namen richtig geschrieben!


Ich wünsche allen meinen Bloglesern ein fröhliches und besinnliches Weihnachtsfest, genießt die Zeit mit eurer Familie und lernt sie wert zuschätzen!
Rutscht gut rüber ins neue Jahr 2015 und lasst es ordentlich krachen!


Ich melde mich im Januar wieder und werde dann von meiner anstehenden Ghana-Reise berichten.
Bis dann, eure Verena

Freitag, 12. Dezember 2014

Neues aus der Schule

Blick auf die Innenstadt von Lomé
In meinen letzten Blogeinträgen habe viel vom Reisen berichtet, nun möchte ich mal wieder etwas zu meinem Projekt, dem Schulalltag und allem drum herum berichten.

In der Schule habe ich mich mittlerweile schon sehr gut eingefunden. Mit den Kollegen verstehe ich mich nach wie vor sehr gut und freue mich auch immer ein Schwätzchen mit ihnen halten zu können, denn mein Französisch gibt mittlerweile schon einiges her.

Diese Woche habe ich nun auch meine erste eigene selbstvorbereitete Unterrichtsstunde gehalten. Ich war vorher total aufgeregt, schlimmer noch wie bei meinen GFS in der Oberstufe. Nachdem ich dann aber ein paar Minuten vor der Klasse stand und die Schüler einigermaßen im Griff hatte, war ich schon wesentlich entspannter. Den Unterricht hab ich dann auch gleich dreimal hintereinander gehalten, nämlich in allen drei sixèmes die M.Gbadoe und ich seither zusammen unterrichtet haben. Bei 100 Schülern im Raum ist es natürlich nie ganz ruhig und so war meine Stimme nach drei Stunden auch etwas strapaziert. Trotzdem hat mir das Unterrichten sehr viel Spaß gemacht und ich habe mich auch gefreut, dass die Schüler so gut mitgearbeitet haben und ich meine Bluse nicht umsonst durchgeschwitzt habe (was aber auch an den 34° C Lufttemperatur liegen kann). Am Ende jeder Stunden hat mein Lehrer die Schüler aufgefordert für mich zu applaudieren und alle sind von ihren Bänken gesprungen und haben angefangen zu jubeln und zu klatschen. So schlecht kann ich wohl nicht gewesen sein… Auch mein Lehrer M. Gbadoe war sehr zufrieden mit mir und hat in der Pause sogar andere Lehrer in den Unterricht eingeladen, damit sie mir beim Unterrichten zuschauen können. Zum Glück ist niemand gekommen! Am nächsten Tag hab ich gleich noch eine Stunde gehalten und den Stoff der letzten Wochen für die Abschlussprüfungen des Trimesters wiederholt. Auch diese Unterrichtsstunde lief super, aber wie gut ich wirklich gearbeitet habe, wird sich zeigen wenn ich die Prüfungsergebnisse vor mir habe.

Meine Motivation nach 200 korrigierten Prüfungen...
Es gab in der Mitte dieses Trimesters bereits schulinterne Prüfungen, bei denen ich auch bei der Prüfungsaufsicht mithelfen durfte. Selbstverständlich habe ich mich dann auch am Korrigieren beteiligt und die Blätter von zwei Klassen mit nach Hause genommen, also nur 200 Stück. Insgesamt waren 20 Punkte zu erreichen, wobei leider nur ein Drittel der Schüler mehr als 10 Punkte erreicht hat. Korrigieren und auch mal schlechte Noten zu verteilen gehört eben auch zum Lehreralltag, macht aber eher weniger Spaß. Viele Schüler haben alle Aufgaben bearbeitet, aber sehr viele Schreibfehler gemacht, da sie nur nach Gehör schreiben. Sie haben im Unterricht gut mitgearbeitet, aber ihr Heft zu Hause wahrscheinlich nicht mehr in der Hand gehabt. Ein paar Wochen später haben wir auch eine Klassenarbeit schreiben lassen, die ähnlich ausgefallen ist und so habe ich nach 400 korrigierten Testblättern beschlossen im nächsten Trimester einen „English Supporting Club“ zu gründen. Das wird eine kostenlose Nachhilfe-AG am Nachmittag werden, in der ich den Stoff für alle interessierten Schüler wiederholen möchte und einfach Defizite ausgleichen möchte.

In diesem Trimester habe ich auch schon an mehreren English-Teacher-Seminaren teilgenommen und dort viele hilfreiche und interessante Anstöße für meinen Unterricht sammeln können. Die Seminare werden nämlich alle auf Englisch gehalten und so konnte ich alles verstehen und gut mitarbeiten. Die Lehrer dort waren alle sehr nett und total offen. Einige haben mich auch in ihren Unterricht eingeladen und mir ihre Hilfe bei Fragen angeboten. An einem Seminartag  war ich krank, bin deshalb früher nach Hause und hab sofort eine SMS von den besorgen Seminarteilnehmern erhalten, die mir gute Besserung gewünscht haben. Das fand ich total süß und meine schnelle Genesung lag bestimmt auch an der Anteilnahme meiner Mitmenschen hier.

Auf den Seminaren bin ich mit den Lehrern auch ins Gespräch über das togolesische Schulsystem gekommen. Ich muss zugeben, dass ich mich während meiner eigenen Schulzeit sehr oft über das deutsche Schulsystem beschwert habe, aber hier gemerkt habe, wie gut wir es eigentlich hatten.
Die Schüler hier reden zu Hause mit ihrer Familie fast ausschließlich auf der Sprache der jeweils angesiedelten ethnischen Gruppe. In der Region Maritime und in Lomé also hauptsächlich Ewe und Mina. Ab ihrem ersten Schultag in der ersten Klasse werden die Kinder aber auf Französisch unterrichtet. Somit ist das Schulsystem eigentlich schon von vorne herein zum Scheitern verurteilt. Sie lernen zwar auch Französisch, aber das reicht anfangs bestimmt nicht aus um Mathe oder Erdkunde auf Französisch zu verstehen. Aus diesem Grund fehlen den Schülern später wichtige Grundlagen, aus denen dann schlechte Noten resultieren. Deshalb ist es überhaupt nicht verwunderlich, dass so viele Schüler sitzen bleiben. Dazu kommen dann noch die viel zu großen Klassen hinzu, in denen der Unterricht für die Schüler auch sehr anstrengend ist. Manche Schüler aus der letzten Reihe können nicht mal zur Tafel schauen und die Jüngeren hockten teilweise zu viert in einer Bank für zwei Personen, da hat nicht mal das Heft jedes Schülers Platz.
Wenn in der Unterrichtsstunde mal ein Schüler laut ist und der Lehrer fragt wer es war, dann zeigen die andern immer sofort auf den Übeltäter. Anfangs fand ich dieses Verpetzten ziemlich unsolidarisch, dafür dass unsere Schule „Lycee Tokoin Solidarité heißt. Mittlerweile kann ich das Verhalten der Schüler aber gut nachvollziehen. Beim Lernen in so einer erschwerten Umgebung mit großen Startschwierigkeiten, ist es logisch, dass die Schüler irgendwann zum Einzelkämpfer mutieren. Wenn sie nicht selbst danach schauen, das Beste rauszuholen, dann macht es niemand.
In Ermangelung von Beamern, Lageslichtprojektoren und Smartboards können
Lehrer hier alle besonders gut zeichnen.
Ich sehe mich hier vor einem riesigen Problem stehen und fühle mich, als ob mir die Hände gebunden wären. Mir bleibt nichts anderes übrig, als zu versuchen, meinen Unterricht so ansprechend wie möglich zu gestalten, habe aber trotzdem immer das Wissen im Hinterkopf, dass ich niemals alle erreichen werde. Was hier nötig ist, sind Reformen, neue Klassenräume für kleinere Klassen und deshalb auch mehr Lehrer, aber die togolesische Regierung steckt hier das Geld lieber ins Militär und tut Lehrer unterbezahlen.


Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Einblick in meinen Arbeitsalltag und auf meine Sicht der Dinge geben. Das erste Trimester dieses Schuljahres endet diese Woche und wird kommende Woche noch mit den Prüfungen abgeschlossen. Dann werden die 40 Lehrer und 2600 Schüler in die wohlverdienten Ferien entlassen. Ich melde mich bald wieder um über die Weihnachtszeit in Togo zu berichten. So viel vor ab: Bei 34° C kommen nur sehr schwer weihnachtliche Gefühle auf!
Sonnige Grüße in die Heimat!

Ein Bild das ich noch mit euch teilen möchte:
Es stammt aus einem Online-Artikel der Washington Post und wurde von einen genervten und verzweifelten Reporter veröffentlicht. Ich hab Verständnis für ihn!

Donnerstag, 13. November 2014

Days in Paradise

Hier kommt ein Foto-Update mit Bildern der vergangenen beiden Wochenenden.
Achtung: Es ist nicht ausgeschlossen, beim Betrachten der Bilder ein gewisses Neid-Gefühl zu empfinden! Eigentlich sollte ich mich dafür entschuldigen, aber warum sollte ich denn keine schöne Zeit haben dürfen?

Coco Beach


An einem Sonntag bin ich mit anderen Freiwilligen zum Coco Beach gefahren. Das ist ein privater Strand, der außerhalb von Lomé liegt. Hier kann man gegen einen kleinen Eintritt nach Lust und Laune Sonnenbaden, in den Wellen plantschen, den Ausblick genießen, lesen, schlafen, essen und was man eben sonst noch so am Stand macht. Der Tag war wie ein Kurzurlaub, bei dem ich super abschalten und entspannen konnte. Und es war einfach so wunderschön dort! Den ganzen Tag über konnte ich gar nicht glauben, dass ich mich wirklich an diesem paradiesischen Ort befinde, und habe zur Sicherheit ganz viele Erinnerungsfotos gemacht. Inzwischen kommt mir der Tag vor wie ein schöner Traum...



Bis zum Sonnenuntergang sind wir am Strand geblieben...

Wochenendausflug nach Kpalimé

 Am folgenden Wochenende bin ich wieder verreist. Diesmal in die Stadt Kpalimé (gesprochen Palimee), die ca. 2 Autostunden von Lomé entfernt liegt. Ich habe dort die Freiwilligen besucht, mit denen ich am vorherigen Wochenende im Paradies war. Aber auch in Kpalimé ist es total schön! Die Stadt liegt in den Bergen und ist ringsum umgeben von grünen Hügeln. So kann man ständig ein tolles Panorama genießen. 



Am Samstagvormittag haben wir einen Kunstmarkt besucht, das Centre Artisanal. Hier arbeiten verschiedene Künstler und stellen gleichzeitig ihre Werke aus. Das ist sehr interessant, denn man kann dabei zuschauen, wie die Kunstwerke entstehen. So hat uns beispielsweise ein Tuchbemaler sein Handwerk erklärt und gezeigt wie er die Stoffe erst mit flüssigem Wachs bemalt und sie dann später batikt. Außerdem gab es Schnitzereien, Töpfereinen, Schmuck, Stoffe und Gemälde zu bestaunen.







 
Alles so schön grün in Kpalimß


Am Nachmittag besuchten wir den Grand Marché von Kpalimé, auf dem es alles zu kaufen gibt, wie es sich eben für einen Grand Marché gehört. Dieser Markt findet nur jeden Samstag statt und lockt deshalb Käufer und Verkäufer aus der ganzen Umgebung an.

Yovos in Town.
Nach dem Markt sind wir zu einem nah gelegenen Kloster gelaufen, in der eine Freiwillige wohnt. Und dort erwartete uns eine freudige Überraschung, denn sieben Hundewelpen tollten im Hof herum. Das hat natürlich unsere Herzen höher schlagen lassen, doch leider waren die Welpen zu schüchtern, um sich streicheln zu lassen. Am liebsten hätte ich mir einen in die Tasche gesteckt, aber aus einem Kloster kann man ja nicht mitgehen lassen...

Hundewelpen im Kloster
  
Abendstimmung über der Stadt.

Im Hintergrund sieht man die Kathedrale, das Wahrzeichen von Kpalimé. Bei meinem nächsten Besuch werde ich sie mir mal genauer anschauen, ebenso wie ich in die Berge fahren werde und sie nicht nur aus der Stadt betrachten werde.
Mit dem roten Trotro im Vordergrund bin ich dann wieder zurück nach Lomé gefahren, mit übriges 14 weitern Personen im Bus. Das war ziemlich eng, aber ich hatte zum Glück einen Fensterplatz, weshalb ich die Aussicht auf das grüne togolesische Hinterland und vorbeirauschende Dörfer genießen konnte. Dazu noch den iPod im Ohr war der perfekte Ausklang eines schönen Wochenendes.

Bitte denkt jetzt aber nicht, dass ich die ganze Zeit nur am Reisen bin. Ich gehe nach wie vor an vier Tagen die Woche in die Schule. Auch von dort gibt es einiges zu berichten, denn langsam habe ich mich an den Schulalltag gewöhnt und einige Erkenntnisse über das togolesische Schulsystem machen können. Darüber werdet ihr in meinem nächsten Blogeintrag mehr lesen können.
Bis dahin, macht's gut!

P.S.: Falls euch doch das Neid-Gefühl gepackt hat, macht einfach kurz fünf Minuten Urlaub fürs Gehirn. Schließt die Augen und stellt euch vor, am Traumstrand von Coco Beach zu stehen. Ihr grabt die Zehen in den Sand, die Wellen umspielen eure Füße, ihr spürt den warmen Wind auf der Haut und habt die Salzluft in der Nase. Ihr hört nichts als das Rauschen des Meeres, entspannt die Muskulatur und merkt wie der Stress von euch abfällt und dann - donggg - fällt euch eine Kokosnuss auf den Kopf und ihr erwacht aus dem Traum, um festzustellen, dass ihr euch im sieben Grad kalten und regnerischen Deutschland befindet.
Sonnige Grüße aus Togo!