Donnerstag, 26. März 2015

10 Dinge meines Alltags...

... die inzwischen zur Normalität geworden sind.

Dieser Blogeintrag soll all die kleinen Dinge vorstellen, die für mich schon ganz selbstverständlich und alltäglich geworden sind, so normal dass ich nicht mehr auf die Idee komme, sie in meinen anderen Blogeinträgen zu erwähnen. All diese Dinge waren für mich bei meiner Ankunft im September  auch fremd bis verwunderlich, aber ich habe gelernt, wenn man will, kann man sich an so ziemlich alles gewöhnen!

Einfach Ecke abreißen und Trinken
1.       Sachet d’eau: Ja hier fängt es schon an, wie übersetzt man das ins Deutsche? Wasserbeutel? Wassersäckchen? Aus diesen Dingern trinken wir zumindest jeden Tag unser Wasser hier. Immer mit 0,5 l gefüllt kann man so auch gut mitzählen ob mal seine 3 Liter an Tagesbedarf schon erreicht hat. Man trinkt das abgepackte Sachet-Wasser weil das Leitungs- und Brunnenwasser leider keine Trinkqualität hat, bzw. für meinen deutschen Magen-Darm-Trankt nicht sauber genug ist, manche Einheimische vertragen es aber gut.

2.       Das liebe Geld: In Togo bezahlt man mit dem westafrikanischen CFA. Der Kurs beträgt 656 CFA zu 1€ und schwankt nie, denn der CFA ist an den Euro gekoppelt. Der größte Schein ist ein 10.000er, umgerechnet 16€. Den komme ich jedes Mal am Bankautomaten ausgespuckt, leider kann ich damit fast nirgends bezahlen, denn meistens fehlt es an ausreichendem Wechselgeld. Ein weiteres Problem ist das Kleingeld, davon gibt es einfach zu wenig. Niemand will seins hergeben, weder zum Bezahlen noch zum Rausgeben. Die Münzen sind teilweise schon 40 Jahre alt, bei manchen Scheinen könnte man das auch vermuten, so dreckig und verknittert wie die sind.



Nicht legal, aber solange keine Polizei in der Nähe ist vollkommen
üblich - Lena, Lina und Hannah teilen sich ein Moto
3.       Öffentliche Verkehrsmittel  „In Deutschland gibt es Züge die unter der Erde fahren?? Mach keine Witze!“ Will man Togo von A nach B kommen, nimmt man sich je nach Länge der Strecke entweder ein Moto-Taxi, Auto-Taxi oder ein Trotro. Die Motos wählt man für kürzere Strecken aus. So kann ich beispielsweise für  300 CFA (ca. 50 Cent) auf den 10 Minuten entfernten Grand Marché fahren. Für etwas längere Fahrten kann man sich auch ein Auto-Taxi nehmen, vor allem wenn man in der Gruppe unterwegs ist, ist das öfters günstiger. Ist man allein unterwegs, kann man sich auch ein Gemeinschaftstaxi nehmen, das man sich mit anderen Leuten teilt und jeder ein und aussteigen kann, wann er möchte. Solche Gemeinschaftstaxis pendeln auch oft auf bestimmten Strecken, also fast wie ein Linienbus. Beim Taxi fahren gilt übrigens immer: zwei auf dem Beifahrersitz, vier auf der Rückbank, Kinder immer auf den Schoß und wenn’s mal hart auf hart kommt muss noch einer in den Kofferraum oder der Fahrersitz wird auch noch geteilt. Vielleicht ist das eine Erklärung für Togos schlechte Unfallstatistik. Für längere Strecken, vor allem zwischen den Städten, nimmt man sich ein Trotro. Das sind Kleinbusse, die an bestimmten Stationen abfahren. Und Abgefahren wird erst, wenn das Trotro bis auf den letzten Sitz besetzt ist. Und hier wird auch gequetscht, vier Personen passen doch gut in die Dreier-Reihe. Auf dem Schoß, im Kofferraum oder auf dem Dach befinden sich dann noch sämtliche Gepäckstücke, diverse Erntewaren, Hühner, Ziegen oder was eben sonst so transportiert werden muss. Nicht selten ist es im Trotro so eng, dass man sich nicht sicher sein kann, ob der Schweißtropfen der einem gerade am Arm entlang rinnt sein eigener ist oder vom Nebensitzer kommt. Nichtsdestotrotz finde ich Trotros eine klasse Erfindung! Sie fahren immer, sie fahren überall hin, sie sind günstig, sie sind gesellig, sie haben keine festen Abfahrtszeiten und man kann deshalb nie den Bus verpassen J

4.       Zeitverständnis: Eile ist hier ein Fremdwort, denn wenn die Leute hier eines reichlich haben, dann ist es Zeit. Man erledigt alles in Ruhe, hat immer Zeit für einen Plausch und das tägliche Reposer (Ausruhen) ist heilig und die optimale Entschuldigung für alles. Durch dieses lockere Zeitverständnis entsteht öfters mal Leerlauf, im deutschen Sprachgebrauch auch als lästiges Warten bezeichnet. Dabei kann man diese Zeit doch so gut nutzen, man ruht sich ein bisschen aus, führt ein paar nette Gespräche, kauft sich was zum Snacken und schon ist die Zeit um. Wenn ich mal wo eine Stunde warten muss, finde ich das gar nicht mehr schlimm, im Nachhinein kommt es mir dann wie 10 Minuten vor.

Die erste in Togo erbaute christliche Kirche steht in Togoville.
5.       Religionen: Glaubenskriege? Unterdrückung von Minderheiten? Ausgrenzung von Andersgläubigen? Nicht in Togo! Ich habe noch nie erlebt, dass so viele Religionen so friedlich zusammenleben. Mit meiner Gastfamilie besuche ich einen katholischen Gottesdienst, bei meinem Mittagschlaf werde ich regelmäßig vom Muezzin geweckt und auf dem Markt kaufe ich mir Voodoo-Schmuck. Christentum, Islam und Animismus (Naturreligionen) sind die drei größten Glaubensrichtungen in Togo. Nicht selten kommt es vor, dass die Menschen neben dem christlichen oder muslimischen Glauben auch auf Schwarze Magie vertrauen. Ein unerwarteter Regenguss während der Trockenzeit? Da muss der Rainmaker dahinter stecken. Einer Schülerin wurde einmal Geld gestohlen, darauf hin sprach der Lehrer einen Fluch auf den vermeintlichen Dieb aus und wenige Tage später bekam das Mädchen sein Geld zurück. Übersinnliches steht in keinerlei Wiederspruch zu Bibel oder Koran und kann einige unglaubliche Phänomene erklären. Überhaupt ist Glaube hier ein sehr präsentes Thema und wird vier offener ausgelebt als in Deutschland. Ein sehr hoher gesellschaftlicher Wert hier ist Respekt. Jeder wird akzeptiert wie er ist und darf so bleiben. Hier wird niemand schräg angeschaut, es wird nicht hinter dem Rücken getuschelt oder sich ein vorschnelles Urteil gebildet. Man respektiert seinen Gegenüber einfach. Ein gesellschaftlicher Wert, den ich in Deutschland sicher vermissen werde!

6.       Namen: Aus einer alten Tradition werden Kinder nach dem Wochentag benannt, an dem sie geboren sind. Für jeden Tag gibt es einen bestimmten Mädchen- und Jungennamen. Da ich an einem Sonntag geboren bin, wäre mein Name Akossiwa. Oft haben die Kinder auch drei bis vier Vornamen. So finden sich neben typischen togolesischen Vornamen wie Kossi, Koffi, Ama und Yaovi auch viele französische Vornamen. Alte französische Vornamen wie Bienvennue (Willkommen), Dieu-donne (Gottgegeben) und Bien-nè (Gut geboren) finden auch großen gefallen sowie biblische Namen wie Rebécca, Emmanuel und Mohamed. Für meine Schüler ist es regelmäßig eine Gaudi, wenn ich Klassenarbeiten zurück gebe und mich mit ihren Namen plagen muss. Aber Ahouandjogbe, Djihoundo und Houenougnon sind für mich immer noch Zungenbrecher.

7.       Schneiderhandwerk: Von den vielen bunten Stoffen, genannt Pagne (gesprochen: Panje) habe ich bestimmt schon öfters erzählt. Auf den Märkten findet man einfach alle erdenklichen Farben und Muster. Mit seinem Pagne geht man dann zu einem Schneider, von denen es in der Stadt fast so viele wie Friseure gibt. Dem erklärt man dann was man haben möchte, am besten anhand eines Fotos oder einer Zeichnung und wenige Tage später kann man es dann abholen. Mit dem passenden Stoff, guter Erklärungsfähigkeit und einem talentiertem Schneider kann so jeder Designertraum wahr werden. Und das besten dabei: Jedes Stück ein Unikat, maßgeschneidert und günstig obendrein. Für ein Kleid zahle ich ca. vier Euro, für einen Rock drei. So kommt’s dass ich mir schon zwei Hosen, vier Röcke, drei Kleider, zwei Oberteile und eine Tasche hab machen lassen. Und es gibt noch sooo viele Pagne die von mir gekauft und in schöne Klamotten verwandelt werden  möchten.

Ich mit Tresse und Nabi mit geglätteten Haaren
8.       Ich hab die Haare schön: Jede Frau träumt von langen Haaren, auch in Togo. Für die meisten Frauen hier ist das nicht so einfach, da ihre Haare sehr lockig und widerspenstig sind. Für sie gibt es drei Möglichkeiten: die Haare glätten, eine Perücke tragen oder Tresse. Glätten kann man nur bis zu einer bestimmten Länge, Perücken sind ziemlich warm und Tresse sind auch warm und schwer dazu. Deshalb werde ich öfters um meine glatten, wenn auch gar nicht mehr so langen Haare beneidet. Die Tresse habe ich diesen Monat mal ausprobiert. Dafür werden mehrere Packungen Kunsthaar (Mesh) mit dem Echthaar verflochten. Bei mir dauerte das sechs Stunden und es waren auch sechs Stunden Schmerzen! Das Ergebnis hat sich aber sehen lassen, wenn ich der Meinung meiner Mitmenschen vertraue, die behaupteten dass ich mich nun in eine richtige Togolesin verwandelt habe. Die togolesische Frau trägt diese Haarpracht um die vier Wochen, ich hingegen war nach zwei Wochen und zwei Tagen froh, meinen Kopf von diesem Gewicht befreien zu können.

Das rosa Fan Milk Eis  <3  
9.       Essen an der Straße: Für den kleinen und großen Hunger zwischendurch lässt sich hier immer was finden. Gefühlt jede zweite Frau in Togo verkauft etwas zu Essen, entweder an einem Stand auf dem Markt, an der Straße oder ganz mobil mit der Ware auf einem Tablett oder in einer Schüssel auf dem Kopf. Sitzt man im Taxi oder Trotro und hält an einer Ampel, Zoll- oder Mautstation an, scharen sich sofort mehrere Verkäuferinnen um das Auto und preisen ihre Ware an. So kann man sich dann noch ganz bequem mit Snacks und Getränken für die Fahrt eindecken. Besonders gerne hole ich mir frisches Obst (Orangen, Mangos und Avocados), Erdnüsse, Bananenchips, frittierte Teigbällchen und zum Trinken frische gekühlte Säfte. Gerade bevorzuge ich Zitronen-, Baobab- und Hibiskussaft, die auch in Sachet verkauft werden. Zur Abkühlung darf’s dann auch mal ein Eis der Marke „Fan Milk“ sein. Meine Lieblingssorte ist Himbeer-Erdbeere (gibt’s leider nur in Ghana) und Schoko. Verkauft wird das Eis auch im Sachet.


10.   Yovo, yovo Bonsoir: Das ist der Anfang eines Kinderliedes, das jedes Kind in Togo kennt und auch sofort anfängt zu singen, sobald es eine Yovo sieht. Denn Yovo ist das Ewe-Wort für Weiße. Ich habe eine andere Hautfarbe und deshalb falle ich auf, ist ja logisch! An manchen Tagen finde ich es ziemlich nervig ständig angequatscht zu werden, ständig Heiratsanträge von fremden Männer zu bekommen und andauernd im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen. Meine Hautfarbe öffnet mir hier durchaus Türen, meistens wäre ich aber doch lieber schwarz. Auf dem Markt oder beim Taxi fahren bekommt man grundsätzlich einen höheren Preis gesagt, denn hier gilt das Vorurteil Weiß = reich. Viele Leute sind sehr überrascht wenn ich ihnen erkläre, dass ich einen Freiwilligendienst mache, meine Freizeit opfere und dafür noch nicht einmal Geld bekomme. Klar tut es mir nicht weh, für eine Taxifahrt mal 15 Cent mehr zu zahlen, aber ich find's trotzdem unfair. Durch meine Hartnäckigkeit und mein oft erprobtes Verhandlungstalent bezahle ich aber dann meistens doch den Local-Preis. Ich habe mich sehr gut eingelebt und Togo ist mittlerweile schon so etwas wie ein zweites Zuhause für mich geworden, doch ein Stück weit werde ich immer eine Fremde bleiben. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich durch meine Hautfarbe mal wieder benachteiligt oder ausgenutzt werde. Manchmal macht mich das sehr traurig, aber ich bin nun mal eine Togolesin und jemand aus Togo wird es andersherum in Deutschland wohl auch nicht einfach haben...

Wie ihr merkt, ist es mir mal wieder schwer gefallen mich kurz zu fassen und ich könnte noch so viel mehr erzählen, aber ein paar Geschichten und Anekdoten muss ich auch für meine Rückkehr im August aufheben, die (leider) mit jedem Tag näher rückt.

Ich wünsche euch allen jetzt schon mal frohe Ostern und schöne Feiertage! Haltet die Ohren steif und bis bald!

P.S.: Falls euch Blogeinträge wie dieser gefallen und ihr gerne mehr erfahren würdet oder es andere Sache gibt, die euch besonders interessierten, lasst es mich wissen! Denn mir gehen langsam die Themen aus und wenn ich ständig von meinen Reisen berichte kommt ihr vielleicht noch auf die Idee, dass ich nur zum Urlaub machen hier bin, wo doch meine Hauptaufgabe das Arbeiten ist!

Montag, 9. März 2015

In Ghana „Charley“ means fried!

Charley: vertrauter Ausdruck für "Freund", etwa im Sinne von "Kumpel"
Der Satz ist außerdem Werbespruch der ghnanischen Biermarke "Star"

Die ghanaische Nationalflagge
In diesem Blogeintrag möchte ich gerne von meiner zweiten Ghana-Reise berichten. Meine zwei Wochen Aufenthalt im Nachbarland bestanden aus einer Woche Zwischenseminar und einer Woche reisen.
Am 14.02. machten Maren und ich uns auf zur Grenze. Nach 10minüter Taxifahrt waren wir auch schon da, denn Lomé ist eine der wenigen Hauptstädte weltweit, die direkt an der Landesgrenze liegt. Wie erwartet gab es wieder einige Diskussionen bezüglich des Visa, aber schlussendlich sind wir doch rüber gekommen. Auf der anderen Seite nahmen wir uns ein Trotro nach Accra und von dort dann einen schicken klimatisierten Reisebus nach Kumasi. Als wir dort am Abend ankamen, war es leider schon dunkel, aber trotzdem haben wir unsere Unterkunft sicher erreicht. Im Laufe des nächsten Vormittags trudelten noch einige weitere Freiwillige ein und mit einem gemeinsamen Mittagessen begangen wir dann das Seminar. Das weltwärts-Programm, welches mir diesen Freiwilligendienst ermöglicht, schreibt verschiedene Seminare vor. So hatte ich beispielsweise vor meiner Ausreise im Juli ein 10tägiges Vorbereitungsseminar und im Oktober steht auch das Rückkehrerseminar an. Auch ein Zwischenseminar, ungefähr in der Mitte des Auslandsjahres, ist vorgeschrieben. Wie ihr euch bestimmt vorstellen könnt, gab es reichlich Redebedarf wenn 20 Freiwillige aus vier verschiedenen westafrikanischen Ländern zusammentreffen. Es tat gut sich auszutauschen, zu erzählen, zuzuhören, zu sehen dass andere mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, Lösungen zu finden, Tipps zu geben, nette Kontakte zu knüpfen und viel Spaß zu haben. 
Die Seminargruppe
Höhepunkt des Seminars war ein Ausflug zum Lake Bosumtwe, der ca. eine Autostunde Fahrt von Kumasi entfernt liegt. Der See und die umliegende Landschaft sind einfach wunderschön und zudem ist es einer der wenigen Seen in Ghana, in denen man Baden kann. Der See, auch „Crater Lake“ genannt, entstand durch eine  Meteoriteneinschlag, lange wurde auch geglaubt es sei ein Vulkansee. Die Entstehung des Sees gibt weitere Rätsel auf, denn er hat keine Zuflüsse und die Wasseroberfläche steigt trotzdem kontinuierlich an. Das lässt natürlich Spielraum für Mythen. Die Anwohner erzählen die Gesichte so: Ein Jäger schoss einmal ein Reh an und lies es dann verbluten. Das Reh aber blutete und blutete weiter, bis eine große Pfütze entstand, die schließlich zu einem See wurde. Auch heute blutet das Reh noch weiter, das auf dem Grund des Sees liegt und deshalb den Wasserspiegel weiter ansteigen lässt. Die Anwohner ehren den See als heilig, und fahren nur mit kleinen Flossen darauf und paddeln mit den Händen. Touristen hingegen können ihn auch mit Tretbooten befahren…
Einfach traumhaft am Lake Bosumtwe!
Am Sonntag, denn 22.02. endete das Seminar schon wieder. Die Zeit ging viel zu schnell rum, aber ich habe tolle Begegnungen gemacht und viele nette Menschen kennengelernt. Mit einigen habe ich mich so gut verstanden, dass wir beschlossen in der Woche nach dem Seminar gemeinsam zu reisen. Unsere Reise sollte am Montag beginnen und deshalb nutzen wir den freien Sonntagnachmittag und fuhren auf den Kejetia Market von Kumasi, der anscheinend größte Markt Westafrikas und er war wirklich riesig! Deshalb fiel es mir auch nicht schwer, mal wieder ein paar schöne Stoffe zu kaufen.

Am Montagmorgen traf sich unsere Reisegruppe an der großen Station in Kumasi. Dazu gehörten Johanna, Eike und Julian aus Kumasi, Matthis aus dem Norden Ghanas, Franzi aus Nigeria, Lisa aus Burkina Faso und ich. Wir kauften uns Tickets für ein Trotro und fuhren ca 120 km nach Norden in die Brong-Ahafo Region. Dort stiegen wir in Techiman ab. Nach einem kurzen Chill-out im Hotel machten wir uns auf zu unserem ersten Ausflug. Wir fuhren nach Buoyem, ein kleines Dorf in der Nähe von Techiman.



In Buoyem bestiegen wir erst einen riesigen Felsbrocken, von dem man eine großartige Aussicht genießen konnte

Anschließend wanderten durch Maniokplantagen wir zu einem kleinen Wasserfall und dann weiter zu einer Höhle. Von dort hatten wir einen guten Ausblick auf den Talkessel und verstanden auch die Bedeutung des Names Bouyem, nämlich "Stone Stomack".



Am Dienstag fuhren wir in das kleine Dorf Nsuta. Hier sollte laut unserem Reiseführer Stoff aus Baumrinde hergestellt werden. Nachdem wir uns durchgefragt hatten und einigen hilfsbereiten Menschen begegnet waren, kamen wir auch beim Master an. Dieser ging extra mit uns in den Wald, schnitt von einem bestimmten Baum ein Stück Rinde ab und zeigte uns dann im Dorf, wie die Rinde bearbeitet wird. Erst wird die äußere harte Schicht abgezogen und die weiche Schicht dann mit einem Holzhammer platt geklopft.

Man kann sich auch diesem Stoff nicht gerade ein T-Shirt nähen, aber für eine Matte reicht es allemal.
Wir haben uns auch alle ein kleines Stück Baum-Stoff als Erinnerung mitgenommen.
Es war schön, mal zu keiner Touri-Attraktion zu fahren, an der alles schon aufbereitet ist, sondern sich erst mal durchzufragen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, und ihre Freude zu sehen, wenn man echtes Interesse an ihrer Arbeit zeigt!
Den restlichen Tag verbrachten wir auf dem Markt in Techiman, der anscheinend der größte Wochenmarkt Ghanas sein soll. Groß war er wirklich und so konnten wir uns dort einige Stunden aufhalten und diverse Einkäufe tätigen.
Eine kleine Anekdote zwischendrin: Als wir vom Markt zurück kamen, wollte ich mich kurz hinlegen und stellte die Klimaanlage auf 27 °C. Promt bekam ich eine Gänsehaut und musste mich zudecken! Ich erfriere, wenn ich zurück nach Deutschland komme!!

Am Mittwoch Vormittag fuhren wir nach Tanoboase, um dort Felsformationen zu besichtigen. Unser Guide erklärte uns einige interessante Dinge. So führen die Ashanti, die in dieser Region angesiedelte Ethnie, zwischen den Felsen noch regelmäßig traditionelle Versammlungen und Feste aus. Früher wurde sogar während Kriegszeiten der König der Ashanti zwischen den Felsen versteckt. Highlight des Vormittags war aber das Klettern von Fels zu Fels, bei dem wir alle wieder zu Kindern wurden und immer noch höhere und ausgefallenere Felsen entdeckten, die wir besteigen wollten


Es machte einfach riesigen Spaß zwischen den Felsen hin und her zu klettern, wobei natürlich auch einige Fotos entstanden sind. Am besten gefällt mir das hier rechts. Wir sieben auf diesem freistehenden Felsen und hinter uns erstreckt sich die Weite der Ashanti-Region.


Mittags fuhren wir weiter nach Kintampo. Dort bezogen wir unser Guesthouse und fuhren anschließend weiter zu den Kintampo Waterfalls, dafür quetschten wir uns zu siebt plus Taxifahrer in die ghanaischen Minitaxis. Wozu viel Geld in Taxifahrten zu stecken, wenn es doch in einem leckeren Abendessen viel besser investiert ist, lautete die Devise. An den Waterfalls konnten wir uns endlich abkühlen, nach Herzenslust Duschen und Planschen, über die algigen Felsen rutschen und uns in der Sonne wieder aufwärmen. Dazu noch ein leckeres Picknick mit frischem Obst vom Markt - ein perfekter Urlaubstag!
Auf der Rückfahrt kamen wir dann übrigens in eine Polizeikontrolle. Nach einer Standpauke des Polizisten ("You are overloaded") und 5 Cedi Schmiergeld (ca 1,25 €) durften wir alle wieder einsteigen und weiterfahren. Da fragt man sich doch, was die Polizeikontrolle jetzt gebracht hat, abgesehen davon dass der Polizist sich ein kleines Trinkgeld dazu verdient hat. Aber uns solls Recht sein, das Abendessen war lecker, auch wenn wir 2 Stunden darauf warten mussten.


Da wir am Mittwoch noch nicht genug von Wasserfällen hatten, fuhren wir am Donnerstag zu den Fuller Waterfalls. Die hatten wir ganz für uns alleine und nutzen den Tag zum Entspannen, Sonnen und natürlich Planschen. Es ist einfach so praktisch, wenn man zu lange in der Sonne gelegen hat, dann stellt man sich kurz unter die natürliche Dusche und -zack- ist man wieder erfrischt!

Der Freitag war schon unser letzter Urlaubstag und wir fuhren vormittags weiter nach Buabeng-Fiema. Das ist ein Waldgebiet, in dem zwei Dörfer liegen (Buabeng und Fiema). Dort wurde ein Monkey Sanctury eingerichtet. Denn seit über 160 Jahren gelten die Affen als heilig für die Dorfbewohner, weshalb sie niemals gejagt oder bedroht wurden. Aus diesem Grund haben die Affen keine Angst vor Menschen und sind sehr zutraulich. Morgens und Abends kommen sie in die beiden Dörfer und schauen, ob es nicht ein paar Bananen für sie gibt.
Unser Guesthouse in Buabeng war eher rustikal und unser Duschwasser mussten wir auch erst aus dem Brunnen pumpen, aber das fanden wir gar nicht schlimm. Wir haben sogar einen Pump-Service angefangen und für alle Dorfbewohner Wasser gepumpt, was auf ihrer Seite zu einer amüsierten Stimmung sorgte, bei uns für Muskelkater in der Armen... Nachdem wir uns also den Tag gemeinnützig vertrieben hatten machten wir uns Nachmittag gemeinsam mit einem Guide auf in den Wald. Der Pfad führte an riesigen Bäumen vorbei, unter anderem Mahagoni, und auch an verschiedenen Ficus-Bäumen, die an einem anderen Baum empor klettern und ihn schließlich erdrücken, wenn ihre Blätter die Sonnenstrahlen erreichen. Der innere Baum stirbt ab, wird morsch und zerfällt, der Ficus hingegen lebt weiter und kann gut zum klettern genutzt werden (Bild links).
Ziemlich bald trafen wir dann auch auf einige Affenfamilien, die Touristen auch gerne aus der Hand fressen (Bild rechts). Obwohl sie die Banane gerne wegreißen würden, beißen sie nur sehr vorsichtig ab und ich brauchte nicht um meine Finger zu fürchten. 



Einer der Meerkatzen-Affen verspeist gemütlich seinen Banane.
Unseren letzten gemeinsamen Abend verbrachten wir bei mittelmäßigem Essen, ghanaischem Bier und einigen sehr witzigen Runden von "Wer bin ich?". Am Samstag Morgen fuhren wir zurück nach Kumasi, wo es Abschied nehmen hieß. Zum Glück konnte ich gemeinsam mit Franzi und Lisa nach Accra fahren, wo wir noch einmal übernachteten und auch noch ein paar sehr abenteuerliche Stunden verbrachten. Am Sonntag passierte ich dann um die Mittagszeit die Grenze zu Togo und war ehrlich froh, wieder "zu Hause" zu sein. Schon die togolesischen Grenzbeamten waren viel netter als die ghanaischen und begrüßten mich mit einem freundlichen "Bon Arivée!". Meine Gastfamilie war total aus dem Häuschen als ich wieder da war und auch die Freude im Lehrerzimmer war groß, als ich am Montag Morgen ankam und bekam erst mal Begrüßungsküsschen rechts und links. Es war ein schönes Gefühl, zu wissen dass man so willkommen ist! Lomé ist in den letzten sechs Monaten wirklich ein Stück Heimat für mich geworden und nun auch ein Teil von mir. Durch die Ghana-Reise und vor allem das viele Reflektieren auf dem Seminar, ist mir bewusst geworden, wie gerne ich hier bin und was für ein Glück ich habe. Wenn ich daran denke, dass nun schon über die Hälfte meines Jahres vorbei ist und ich mich in wenigen Monaten verabschieden muss -vielleicht für immer- bekomme ich schon einen dicken Klos im Hals.
Aber es zählt der Moment und das Hier und Jetzt. Gerade geht es mir wirklich sehr gut und ich verspüre ein Gefühl von tiefer Dankbarkeit und Freude, dieses Jahr in Togo verbringen zu dürfen, all diese Erfahrungen zu machen, all diese interessanten Begegnungen zu machen, all diese netten Menschen zu treffen. Symbolisch für dieses Hochgefühl steht mein Luftsprung:

P.S.: Freut euch nicht zu früh, nach Deutschland komme ich auf jeden Fall zurück! Maultaschen und Kartoffelsalat liebe ich dann doch zu sehr, um es gegen 365 Tage Sommer im Jahr eintauschen zu wollen!



Donnerstag, 12. Februar 2015

Dies, Das, Ananas

Was in der Zwischenzeit geschah...

Besuch bei Kolping Togo
Ausladen des Containers - ich darf ein Rad tragen!
Mitte Januar besuchten meine Mitfreiwillige Maren und ich zum ersten mal das Büro des Hauptsitzes von Kolping in Togo. Unsere deutsche Entsendeorganisation ist Kolping, und so ist es nahe liegend, sich auch mal den Sitz in Togo anzuschauen. Außerdem sind wir mit unserer Arbeit in der Schule nur Vormittags ausgelastet und auf der Suche nach einem weiteren Projekt. Dieses sollte gleich am nächsten Tag unseres Besuches beginnen. Die Kolping-Familie Emsdetten hatte in mühevoller Arbeit alte und ausrangierte Fahrräder gesammelt und zwar so viele, dass sie einen ganzen Schiffscontainer füllten! Dieser wurde dann per Schiff nach Togo verschickt und kam nach mehreren Wochen auf See auch wohlbehalten in im Hafen von Lomé an. Schließlich wurde der Container bis vors Kolping Büro gefahren. Dort warteten schon einige Mitglieder mehrerer Kolpingfamilien aus Lomé, die alle gekommen waren um beim Auslanden zu helfen. Maren und ich durften auch mit anpacken, und machten Fotos und sammelten Infos um das Ganze zu dokumentieren. Die vielen Männer wollten aber nicht dass wir Mädchen schwer tragen, und so waren wir froh, wenn wir beim Ausladen einen Reifen oder ein Rad ergattern konnten.
Maren und ich mit Laurent, dem Präsident von Kolping Togo
An diesem Samstagnachmittag wurden über 300 Fahrräder in der Garage und auf dem Hinterhof des Kolping Büros verstaut. Nun soll im Hof eine Fahrrad-Werkstatt errichtet werden. Hier sollen die Fahrräder wieder auf Vordermann gebracht werden, um sie später zu vermieten oder zu verkaufen. Die Fahrrad-Werkstatt soll jungen Leuten Ausbildung und Perspektiven bieten. Darüber hinaus soll auf Umweltschutz hingewiesen werden und durch Fahrradnutzung die Abgase in der Luft über Lomé verringert werden, denn von denen gibt es mehr als genug.

Gruppenfoto mit allen fleißigen Helfern und einem Teil der Fahrräder.


Wochenende in Kpalimé
Ich und ein original Öhringen-Bildband!
Am Wochenende darauf fuhr ich mal wieder nach Kpalimé um Freunde zu besuchen. Wir verbrachten ein paar schöne Tage zusammen, shoppten Stoffe und Schmuck auf dem Markt und gingen abends lecker Essen beim Belgier, der macht den besten Linsenburger in ganz Togo! Mein persönliches Highlight des Wochenendes spielte sich aber in der Gastfamilie von Pauline und Klara ab, bei denen ich übernachtete. Eine ihrer Gastschwestern blätterte Abends in einem Bildband, der mir seltsam vertaut vorkam. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es ein Bildband über Öhringen ist, meine Heimatstadt! Vor 2 Jahren hatte die Gastfamilie nämlich einen Freiwilligen aus Öhringen, der das Buch als Gastgeschenk mitgebracht hat. Was für Zufälle es gibt... Ich habe mich ziemlich gefreut, so etwas heimatliches in der Hand zu halten und auch andere Freiwillige aus Berlin, Frankfurt und Co mussten zugeben, dass "mei Öhringe fei echt a schees Städtle isch".Vor Kurzem hatte auch eine meiner Schülerinnen eine Trainingsjacke an, auf der hinten drauf stand "SG Langenbeutingen-Brettach". Altkleidersammlung macht's möglich...


Got my own english class!
Ich erkläre die Going-To-Future
Unterrichtsvorbereitung: Mithilfe von Teachers Book (oben) und
Students Book (links) bereite ich eine Lesson Card (rechts) vor.
Seit dem 19. Januar habe ich nun auch meine eigene Englischklasse. Ich habe mich für die 6e E entschieden. Die Jüngsten in der 1. Reihe sind geschätzte 10 Jahre alt und die großen Jungs aus der letzten Reihe, die im Unterricht auch gerne mal eine Schlägerei anfangen, sind schon 18. Der Großteil ist aber zwischen 13 und 15 Jahren alt. Die Klasse umfasst 107 Schüler, 63 Mädchen und 44 Jungs. Ich habe diese Klasse gewählt, weil sie in den vergangenen Wochen in meinem Unterricht am besten mitgearbeitet haben und auch am Nettesten war. Nun bereite ich täglich den Unterricht für diese Klasse vor, halte ihn auch alleine und bin auch für ihre Englischnoten verantwortlich. Ich hoffe ich kann dieser Verantwortung gerecht werden! Ich freue mich jeden Tag wieder auf den Unterricht. An manchen Tagen klappt es richtig gut und alle arbeiten ruhig und konzentriert mit. An anderen Tagen kann ich einfach keine Ruhe in die Klasse bringen und verstehe teilweise mein eigenes Wort nicht mehr, wenn ich versuche etwas zu erklären. Meine Tafelschrift können sie mittlerweile auch ganz gut entziffern, das Abschreiben braucht aber trotzdem noch viel Zeit. Besonders gerne sprechen sie Dialoge. Wenn ich ein paar Sätze mit ihnen übe und dann frage wer nun vorlesen möchte gehen locker schon mal 20 bis 30 schnipsende Finger nach oben. Das ist für mich immer eine kleine Bestätigung, dass ihnen mein Unterricht auch Spaß macht.


Wochenende in Djekotoe
Selbstgemachtes Buie - togolesische Frühstücksspezialität
Am folgenden Wochenende fuhr ich gemeinsam mit Lina und Lena aus Lomé in das kleine Dorf Djekotoe, um Hannah und Franzi zu besuchen. Ende Oktober habe ich sie schon einmal besucht, vielleicht erinnert ihr euch. Am Freitag gingen wir auf den Wochenmarkt und kauften fürs Wochenende ein. Die restliche Zeit verbrachten wir nämlich hauptsächlich mit Quatschen und natürlich Essen und Kochen. Jeden Morgen wurde erst mal gemütlich ein Brunch gemacht. Am Samstag mit Bananenpfannenkuchen und am Sonntag mit Buie. Das ist eine togolesische Spezialität und wird aus Mais- oder Maniokmehl, heißem Wasser, Zucker und Kondensmilch hergestellt. Das ergibt eine schleimige Masse und kann wie Brei gelöffelt werden. In Togo frühstückt das praktisch jeder. Je nach Süße schmeckt das Buie meistens ziemlich lecker. Ansonsten haben wir unsere Bäuche mit Spaghetti mit Tomatensoße, selbstgemachten Pommes, Stockbrot am Lagerfeuer und togolesischem Bohneneintopf verwöhnt.

Hannah, Lena, Franzi, Lina und ich



Besuch von Mama


Cascade de Tomegbe
Ein großes Highlight meines Aufenthaltes in Togo ereignete sich auch im Januar; nämlich der Besuch meiner Mama. Der besten Mama der Welt, um das an dieser Stelle mal zu betonen. Sie landet am 28. Januar in Lomé und die Freude beim Wiedersehen am Flughafen war natürlich riesig. Am 29. fuhren wir nach Kpalimé um dort das Wochenende zu verbringen. Wir wanderten dort zu einem Wasserfall, dem Cascade de Tomegbe, besuchten den Markt und das Centre Artisanal (Kunstzentrum), shoppten bunte Stoffe und Mitbringsel, gingen lecker Essen und genossen die Sonne am hoteleigenen Pool. Unter der Woche waren wir dann zu Hause in Lomé, damit Mama meinen Alltag und mein Umfeld kennen lernen konnte. Wir waren am Strand, auf dem Grand Maché, im Nationalmuseum und in einem weiteren Centre Artisanal. An einem Abend besuchten wir eine Vernissage im Goethe Institut „Auf deutschen Spuren in Togo“. Das war eine Fotoausstellung über Überbleibsel aus der deutschen Kolonialzeit in Togo. Neben dem deutschen und französischen Botschafter war auch ein Fernseh-Team zur Stelle, die auch das Publikum filmten. Zwei Tage später kam in den 20-Uhr-Nachrichten ein kleiner Bericht über die Vernissage und Mama war tatsächlich darin zu sehen! Das hab ich bis jetzt in 5 Monaten noch nicht geschafft!

Das Weihnachtspaket von meiner Oma kam am 2. Februar dann auch mal an!
Einen Vormittag begleitete mich Mama auch in die Schule und wurde von sämtlichen Lehrern und dem Schulleiter sehr nett empfangen. Meine Klasse hat sich auch total gefreut und gleich ein Lied für sie gesungen. Meine Gastfamilie hat Mama auch total herzlich empfangen und immer was extra Gutes gekocht. Sowieso haben die meisten Leute sehr positiv auf ihren Besuch reagiert und sich gefreut, dass jemand kommt und ihr Land anschaut.
Die schöne Aussicht auf den Lac Togo musste ich sofort mit der
Kamera festhalten.
Am Donnerstag fuhren wir an den Lac Togo und machten eine Bootstour nach Togoville. Das ist die erste Stadt, die von den deutschen Kolonialisten gegründet wurde. Es gibt eine schöne Kirche und andere Sachen zu besichtigen. 1985 war sogar Papst Joahnnes Paul II dort. Ironischer weise wird die Stadt heute als das Herz Togos bezeichnet und die Mehrheit der 6000 Einwohner gehört der Voodoo-Religion an. Der Ausflug war sehr lohnenswert, auch wenn ich es ein bisschen nervig fand, dass dort alles so stark auf Tourismus ausgelegt war und jeder (Taxifahrer, Bootfahrer, Guide) an uns verdienen wollten. Aber wenn ich eins in Togo gelernt habe, dann ist es zu handeln und diskutieren!
Fischerboot und Netz
Blick auf Togoville vom Lac aus
Einsame Strände...
Anschließend gings an den Cocobeach, wo wir den restlichen Tag, die Nacht und den Freitag verbrachten. Wir hatten fast den ganzen Strand für uns alleine und abgesehen von meinem Sonnenbrand war es wirklich traumhaft! Am Freitagabend waren wir noch in meinem Lieblingsrestaurant Pizza essen und dann hieß es am Samstag 07.02. auch schon wieder Abschied nehmen. Die 11 Tage gingen unglaublich schnell rum, aber wir haben die gemeinsame Zeit sehr genossen und auch ordentlich ausgenutzt. Durch ihren Besuch habe ich auch gemerkt, wie gut ich mich schon eingelebt habe, wie gut ich mich auskenne und was alles schon normal für mich geworden ist. Es hat Spaß gemacht, jemandem von außerhalb alles zu zeigen und die Welt hier zu erklären!
Mir war es im Vorfeld sehr wichtig, wenigstens einmal in Togo Besuch zu haben, damit es in meinem Umfeld in Deutschland mindestens eine Person gibt, die in etwa nachvollziehen kann wie es ist hier zu leben, immer aufzufallen, über den Markt zu laufen, Taxi zu fahren, vor 100 Schülern zu stehen, leckeres Obst zu essen, mit schlechtem Internet zu kämpfen, ständig zu schwitzen, die Wäsche mit der Hand zu waschen etc… Ich glaube, das haben wir ganz gut hinbekommen. Liebe Mama, ich bin dankbar für deinen Besuch, aber auch für alles andere, du weißt Bescheid! AKBEKAKALOO! (Vielen Dank auf Ewe, das einzige Ewe-Wort, das meine Mama mit viel Mühe hier gelernt hat.)
Das obligatorische Cocobeach-Foto!


Werbeaufruf für mein Postfach J
Platz genug für weitere Briefe und Postkarten
An dieser Stelle möchte ich auch mal darauf hinweisen, dass ich hier in Togo auch eine Postadresse habe und man mir Briefe und Päckchen schicken kann. Ein normaler Brief kostet schlappe 75 Cent und ein 500g-Paket 3,50 €. An meiner Foto-Postkarten-Brief-Wäscheleine ist noch genug Platz frei... Ich freu mich wirklich über jede Art von Post und natürlich antworte ich auch! Aber da müsst ihr euch ein bisschen gedulden, die Post ist immer zwischen 2 Wochen und 2 Monaten unterwegs. Im Vorfeld schon mal vielen Dank J



Meine Adresse lautet:
Verena Schulin
(AZINOGO Xavier)
s/c AGBOBLI William
07 BP: 13764 Lomé 07

LOME – TOGO


Der Januar ging vorbei wie im Fluge, und der Februar wird mindestens genau so schnell vorbei gehen. Vom 15. bis zum 22. habe ich mein Zwischenseminar in Kumasi in Ghana, auf das ich mich schon sehr freue. Danach möchte ich gemeinsam mit anderen Kolping-Freiwilligen den Norden Ghanas bereisen. Wenn ich dann zurück nach Lomé komme, bleiben mir nur noch 5 Monate meines Freiwilligendienstes. Manchmal habe ich das Gefühl, je länger ich hier bin, desto schneller vergeht die Zeit! Ich melde mich Anfang März wieder, natürlich mit einem Bericht über meine zweite Ghana-Reise. Bis dahin - bleibt gesund, feiert auf den Faschingspartys und saust ein paar Pisten für mich runter! Alles Liebe, eure Verena

Freitag, 16. Januar 2015

Ghana mit G wie Großartig, Genial, Great

Ein Reisebericht über meine 10 Tage in Ghana in den Weihnachtsferien

Kurs auf die ghanaische Grenze
Am Morgen des 26. Dezembers um 6 Uhr in der Früh trafen wir uns an der Grand Station de Kpalimé, um von dort mit einem Trotro in die ghanaische Stadt Ho zu fahren. Wir, das sind 2 Freiwillige aus Lomé, 4 Freiwillige aus Kpalimé und ich. Jedoch hatten wir unsere Rechnung ohne das togolesische Verkehrssystem gemacht. Die Trotros fahren nämlich erst los wenn jeder Platz besetzt, 4 zusätzliche Personen reingequetscht sind und man außer dem Kopf nichts mehr bewegen kann. Und so warteten wir und warteten und nach langen 5 Stunden Warten konnte die Fahrt endlich beginnen. Schon hier merkten wir, das unsere Reise wohl unter keinem guten Stern zu stehen scheint. Die Ausreise an der togolesischen Grenze gestaltete sich auch als schwieriger, da der Grenzbeamte wohl noch nie einen Pass, geschweige denn ein Visum gesehen hat und eine Dreiviertel Stunde brauchte um 7 Stempel zu setzten. Aber immerhin: die erste Hürde war genommen! Nach ein paar Minuten Fahrt durchs Niemandsland erreichten wir die ghanaische Grenze.Doch hier wäre unsere Reise fast gescheitert, denn der Grenzbeamte war der festen Überzeugung, dass unser Ghana Visum ungültig ist und wollte uns unter keinen Umständen ins Land einreisen lassen. Zwei Stunden Diskussion, Bestechungsversuche durch Kekse und weibliche Reize, alles war erfolglos. Nachdem der gute Mann uns dann fragte, ob wir eigentlich wissen, was es kostet in unser Land rein zu kommen, wurde uns klar, wo das Problem liegt: Hier möchte jemand sein Ego aufpushen und den Weißen mal so richtig eins auswischen. Das war das erste Mal dass wir in Kontakt mit dem sogenannten "Weißen-Rassismus" kamen. Enttäuscht mussten wir uns geschlagen geben und ein Taxi zurück zur togolesischen Grenze nehmen. Auf der Fahrt war die Stimmung deutlich gedrückt, es ist einfach kein schönes Gefühl so offensichtlich ungerecht behandelt zu werden und sich nicht wehren zu können! Wir beschlossen aber nicht aufzugeben, da wir wussten unser Visum ist gültig, und fuhren zu einem anderen Grenzübergang. Auf dem Weg dorthin trafen wir einen togolesischen Polizisten, der uns freundlicher Weise anbot uns zur nächsten Grenze zu begleiten und dort alles für uns zu klären. Dort sind wir dann auch ohne Probleme rüber gekommen und waren überglücklich dass wir unseren Urlaub doch noch antreten konnten und konnten es gar nicht richtig glauben, tatsächlich in Ghana zu sein. Die Straßen ohne Schlaglöcher, Straßenschilder, Straßennamen, Geschwindigkeitsbegrenzungen, all das beeindruckte uns noch mehr.Nach einem kurzen Zwischenstopp in in der Stadt Ho erreichten wir gegen 19 Uhr unser Hotel Mountain Paradise in Amedzofe. Für eine Strecke von 20 km Luftline hatten wir einen ganzen Tag gebraucht.

Gruppenfoto am Gipfelkreuz des Mt Gemi
 Am nächsten Tag entspannen wir erst mal auf der Terrasse und als wir langsam Hunger bekamen, beschlossen wir ins nächste Dorf Biakpa zu laufen, um dort Essen einzukaufen und die Touri-Info zu besuchen. Daraus wurde dann ein 12 km Spatziergang, bei dem wir auch einen der höchsten Berge Ghanas, dem Mt Gemi bestiegen. Und das alles mit Flip Flops und Handtasche! Wegen dem Haramattan war die Aussicht eher bescheiden, aber wir fühlten uns wie in den Wolken.
Den folgenden Tag verbrachten wir auf unserer Terrasse und genossen die Aussicht und unseren Urlaub. Auf dem Foto kann man gut erkennen, wie der Harmattan die Sicht trübt. In den Bergen war die Vegetation noch mal ganz anders, wie wir sie von Togo kannten, alles war so schön grün und dicht bewachsen. An diesem Tag sind noch mal 3 weitere Mädels zu unserer Gruppe zugestoßen, ihr könnt euch bestimmt gut vorstellen, dass es bei einer Gruppe von 10 Mädels immer was zu Lachen gibt und wir viel Spaß hatten!

Den folgenden Tag waren wir aber wieder sehr aktiv und machten einen Ausflug ins Tafi Atome Monkey Sanctury. Das war ein eingegrenzter Bereich im Regenwald, wo verschiedene Affenfamilien leben und man sie dort in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten kann und wenn man sie mit Bananen anlockt, kommen sie sogar auf den Arm. Unser Guide erklärte uns auch einige interessante Sachen über die Affenfamilien, zum Beispiel dass es unter den verschiedenen Banden auch öfters Streit gibt.
Ich mit meinem neuen Affenfreund
Gruppenfoto mit Äffchen
Anschließend fuhren wir noch an den Lake Volta, nach dem die Region in der wir uns gerade aufhielten, benannt war, nämlich die Volta Region. Laut Wikipedia ist der Voltasee mit einer Fläche von 8502 km2 der größte vollständig von Menschen geschaffene Stausee weltweit. Er erstreckt sich über große Teile des Osten Ghanas und hat große Bedeutung für Handel und Industrialisierung.

Ausblick auf den Lake, durch den Harmattan wieder getrübt
Fischerboote und geschäftiges Treiben am Ufer des Lake Volta

Am 30. Dezember setzten wir unsere Reise fort und fuhren nach Accra, die Hauptstadt Ghanas. Die Fahrt beanspruchte fast den ganzen Tag, die Aussicht vom Hotel "Magic Beach Resort" und ein abendliches Bad im Meer entlohnte aber so einiges. Am 31. Dezember fuhren wir in die Accra Mall, ein riesiges Einkaufszentrum am Stadtrand von Accra. Es war richtig schön sich mal wieder ein bisschen europäisch zu fühlen, in richtige Läden zu gehen und sich mit Fast Food vollzustopfen. Die Krönung des Tages war dann ein Kinobesuch am Nachmittag, wo wir uns "Mockingjay", den dritten Teil der Tribute von Panem ansahen. Wieder zurück im Hotel, machen wir uns schick für den Abend. Ein komisches Gefühl nach langer Zeit mal wieder Kajal und Wimperntusche zu benutzten. Nach einem leckeren Abendessen und ein paar Gläsern machten wir uns auf zum Stadtzentrum, um dort das neue Jahr zu begrüßen. Wir feierten in einer Rooftop Bar, von der wir einen tollen Ausblick auf der Feuerwerk in der Stadt hatten. Dieses Silvester war anders wie sonst, aber deshalb nicht weniger schön und es war wirklich eine lustige Nacht.

Der Neujahrsmorgen war aber wie gewohnt: ausschlafen und dann auf die Suche nach Katerfrühstück gehen. Wir kauften uns an einem Straßenstand Reis mit Bohnen und scharfer Soße für umgerechnet 25 Cent, ein Essen das wir während der gesamten Reise ein bis zwei mal am Tag zu uns nahmen. Lecker und günstig, was will man mehr? Am Nachmittag fuhren wir noch mal ins Kino, das muss man schließlich ausnutzen, denn in Togo gibt es kein Kino. Wir sahen uns den 3. Teil von "Der Hobbit" an und schmuggelten unser Katermittagessen, Burger und Pommes, in den Kinosaal.

Am 2. Januar setzten wir unsere Reise fort nach Cape Coast, eine Stadt am Meer ca. 150 km westlich von Accra. Die Stadt ist geschichtlich von großer Bedeutung und lebt viel vom Fischfang, wie man an der vielen Fischerbooten am Strand erkennen konnte.

Fischerboote in Cape Coast

Am Nachmittag unserer Ankunft besichtige ich mit einer Freundin das "Cape Coast Castle". Von hieraus wurden früher viele Sklaven verschifft. Bei einer sehr interessanten Führung und im zugehörigen Museum erfuhren wir einiges über die damaligen Zustände. Das Castle bot Platz für 1000 Sklaven, jeweils zu 200 in einem dunklen, stickigen Raum eingepfercht, die dort drauf warteten durch das "Door of no Return" zu gehen und auf Schiffe verlanden zu werden. Das Castle ist an sich sehr schön zu besichtgen, wenn man sich jedoch die traurige Geschichte vor Augen führt bekommt man jedoch ein seltsam beklemmendes Gefühl und ist sehr froh darüber, dass Sklavenhandel mittlerweile abgeschafft ist.

Aussicht auf den Strand von Cape Coast vom Castle aus. Dort wo die vielen Palmen stehen,
haben wir übrigens gewohnt.
Am folgenden Tag besuchten wir den Kukum National Park. Hier kann man auf verschiedenen Pfaden zwischen den Baumwipfeln umherspazieren und eine tolle Aussicht auf den Regenwald genießen. Außer Schmetterlingen und Vögeln haben wir leider keine Tiere gesehen, was aber auch nicht verwunderlich ist, wenn eine Gruppe von 40 Touris über die Brücken stampft. Da würde ich mich als Affe oder Elefant auch lieber im Urwald verstecken. Im Regenwald regnet es übrigens gar nicht immer, dort ist gerade wie in Togo auch die Trockenzeit, und deshalb ist es weder matschig noch feucht, sondern auch trocken. Der Wald hier hatte sogar eine gewisse Ähnlichkeit mit dem heimischen Wald in Deutschland.




Höhenangst? Fehlanzeige!
Ich lässig am Abhängen.

Die Aussicht auf den Kukum National Park
Auf verschiedenen Pfaden konnte man von Baum zu Baum laufen
Am nächsten Tag, 4. Januar, musste ich leider schon Heimfahren, denn in Togo ging die Schule am 5. Januar wieder los. Meinen letzten Abend verbrachten wir bei einem leckeren Essen im Hotel und einer anschließenden Party, wobei wir sogar einige Ghanaer dazu überreden mit uns eine Runde Flunky Ball am Strand zu spielen, und das natürlich mit 0,65 L Flaschen.

Morgenstimmung am Strand vom Hotel am Morgen meiner Abreise.

Nach ca 8 Stunden Busfahrt erreichte ich Lomé und kam gegen 19 Uhr erschöpft aber glücklich in meiner Wohnung an. 12 Stunden später stand ich bereits wieder vor der Klasse um Englischunterricht zu halten. Aber dazu mehr beim nächsten Mal! Bis dahin mache ich weiter lauter schöne Fotos für euch. 


Ich wünsche euch noch alles Gute fürs neue Jahr! In Togo wünscht man sich "santé und succes", also Gesundheit und Erfolg!
Macht's gut und bis bald!
Eure Verena